Was hat es mit der Münchner Indieepicelectropop-Band Cosby nur auf sich? Nicht nur, dass all die um Worte ringen und wilde Neologismen kreieren, die ihre Musik beschreiben wollen: Sie schießen hoch, und ich gucke dem Flimmern und Glitzern fasziniert hinterher. War das nicht die Band, die letztes Jahr auch auf dem Stereowald-Festival war – als eine der kleinen, unbekannteren Bands? Waren sie. Ihre Klänge versprachen bereits 2014 Großes: Wer so viel Gefühl in die Stimme legt und Musik schafft, die Assoziationen wie „episch“ und „international“ ruckzuck nach sich zieht, hat es verdient, weit über die Grenzen des Stereowalds hinaus bekannt zu werden. Das Dumme nur: Jetzt ist ihnen ein Wolf auf den Fersen. Das Gute: Das stört Cosby überhaupt nicht. Im Gegenteil.

Cosby
Cosby, das sind: Marie Kobylka (Frontfrau, Vocals, Piano; oben), Chris Werner (Gitarre, Synthesizer), Robin Karow (Schlagzeug) und Kilian Reischl (unten mit Marie)

Cosby

Cosby brandaktuell

Aktuell sind sie nominiert für den Newcomer Contest Bayern – die Abstimmung läuft noch bis 1. September. PULS vom BR hingegen hat sich schon entschieden und schickt Cosby zum New Music Award 2015 am 9. Oktober. Ende August, am 28.,  kommt ihr neues Album heraus. Und die Videopremiere von „Yeah!“ gab es gestern wo? Auf dem Stern. Na dann.

COSBYs Déjà-vu

Umso erstaunlicher, dass sich diese aufstrebende Band nicht davon abhalten ließ, 2015 wieder auf dem Stereowald aufzutreten. Für sie ist das kleine Festival am Waldrand Aichachs sogar ein kleiner Fixstern, zu dem sie gerne zurückkehren. Beide haben sich entwickelt und sind – überraschend – noch besser geworden. Was den Unterschied ausmacht? Natürlich das Plus an Erfahrung. Zwölf Monate ziehen nur an Zombies* vorüber, ohne Spuren zu hinterlassen. Gleichzeitig haben sie sich das bewahrt, was sie ausmacht: Die Seele. Live ist das ganz besonders zu hören – Gänsehaut hatte nicht nur Fronfrau Marie auf der Bühne, wie sie mir auxkvisit im Interview erzählt. Ich habe ihr nach dem Festival ein paar Fragen gestellt und unter anderem erfahren, was sie zu Stereowald-Wiederholungstätern werden lässt. Und was es mit dem Wolf auf sich hat.

COSBY im Interview

Auxkvisit: Ihr wart bereits letztes Jahr auf dem Stereowald. Ich erinnere mich gut daran: Es war bei weitem nicht so heiß, um die Wiesenbühne herum standen noch mehr Bäume. Welche Erinnerungen habt Ihr an Stereowald 2014? Wie unterscheidet es sich für Euch zu dem diesjährigen?
Marie: Im Jahr zuvor hatten wir eigentlich gerade erst angefangen live unterwegs zu sein. Das Stereowald war eines der ersten Festivals, auf dem wir gespielt hatten. Wir haben uns damals schon total wohlgefühlt und uns dann natürlich sehr gefreut, als wir noch am selben Abend fürs nächste Jahr eingeladen wurden.

Cosby
Große Gefühle auf der Wiesenbühne: Marie von Cosby

Bei uns ist einiges passiert in den letzten 12 Monaten: Wir haben unsere erste EP veröffentlicht, waren viel unterwegs, haben interessante Erfahrungen gesammelt – wie zum Beispiel beim Trip mit der Startrampe –, haben unser Album aufgenommen …
Das Stereowald kannten wir schon und nach all den neuen Orten und Eindrücken ist es einfach schön, dorthin zurück zu kommen. Außerdem ist das Festival mit so viel Herzblut organisiert, weswegen wir uns auch schon Wochen vorher drauf gefreut haben. Letztendlich war es genau so wie wir es in Erinnerung hatten – wunderschön!

Euer Bekanntheitsgrad schoss letztes Jahr steil nach oben, aktuell seid Ihr zum Beispiel für den New Musik Award von Puls nominiert (ich drücke dafür die Daumen!). Was zieht Euch da wieder in den Stereowald zurück, auf ein vergleichsweise kleines Festival?
Für uns ist die Größe des Festivals nicht entscheidend. „Kleine“ Bühnen haben auch so ihren Reiz und letztendlich ist das Publikum und die Atmosphäre am wichtigsten. Deswegen gehören Festivals wie das Stereowald ganz klar zu unseren Lieblingsfestivals.

Glückliche Masse
Cosby liebt das Stereowald und das Stereowald-Publikum Cosby. Passt doch!

Wo geht Eure Reise hin?
Am 28.8. kommt unser Album „As Fast As We Can“ in die Läden. Wir sind schon sehr gespannt und freuen uns drauf, dass es endlich gehört werden kann. Wir werden sicherlich wieder viel unterwegs sein, bei den Radios unsere CD vorbei bringen, Interviews machen und – am aller-, allerwichtigsten – Konzerte spielen. Langfristig möchten wir einfach rum kommen und überall ein Stück COSBY hinterlassen.

Welche Rolle spielt für Euch Veränderung in Eurer Musik?
Wir merken schon, dass als wir vor sechs Jahren angefangen haben, teilweise noch ganz andere Songs entstanden sind als heute. Unser Musikgeschmack ist auch nicht mehr derselbe. Grundsätzlich machen wir nur, was uns gefällt und jagen keinen Trends hinterher, aber mit der Zeit verändern wir uns natürlich – und damit auch unsere Musik.

Auf der Bühne transportiert Ihr wahnsinnig viel Gefühl. Wie habt Ihr Euch vor, während, nach dem Auftritt im Stereowald gefühlt?
Davor – Vorfreude.
Währenddessen – Spaß und Gänsehaut.
Danach – kaputt und sehr zufrieden.

Seid Ihr im Stereowald einer Fee oder ähnlichem Fabelwesen begegnet?
Wir haben die Berabecka Boandlbräu Fee getroffen.

Cosby
Cosby hat Spaß auf der Bühne – und ein besonderes Gespür fürs Timing

Euer aktuelles Cover „As fast as we can“ ziert ein Wolf. Abgesehen davon, dass Wölfe gerade schwer im Trend liegen, warum habt Ihr Euch dafür entschieden? Hätte es zum Beispiel nicht auch ein Fuchs sein können?
Wir fanden den Wolf einfach sehr passend, weil er gleichzeitig etwas Gewaltiges und doch sehr Entspanntes ausstrahlt. Für einige sieht er aus, als fletsche er die Zähne, für manche, als würde er gähnen. Unserer Meinung nach macht er beides, und das passt wie die Faust aufs Auge zu uns, unserem Album und dem Albumtitel. „As Fast As We Can“ bedeutet einerseits „so schnell wir können, von nichts gebremst, unaufhaltsam“ und auf der anderen Seite „eben nur so schnell wie wir können, wir nehmen uns die Zeit, die wir brauchen, um es gut zu machen“.

Ein paar auxkvisite Schnellschussfragen
und Cosbys Antworten:

Hier darf wild aus dem Bauch heraus assoziiert werden! Auf meine Fragen, was sie „auxkvisit“ finden, darf Cosbys Antwort besonders positiv oder negativ ausfallen. Nur normal geht nicht!

Ein auxkvisites Getränk?
Berabecka Boandlbräu

Ein auxkvisiter Film?
Zohan

Eine auxkvisite Band?
Foo Fighters

Ein auxkvisiter Ort?
Norwegen im Ocean Sound Recordings Studio am Meer

Das auxkvisiteste Gefühl vor dem Stereowald-Festival? 
Hitze und Lust auf die Bühne

Danke, Cosby!

Mein Fazit

Auch wenn „Electropop“ nicht meine erste Antwort auf mein meist gehörtes Genre ist, wähne ich Cosby auf einem der ersten Plätze, müsste ich dafür eine Top-Irgendwas-Liste erstellen. Was mich anspricht, ist die Tiefe, die in den meisten Songs spürbar wird (für mich am meisten hörbar in „Love and War“). Pop ist hier nicht oberflächlich-poplulär, wie ich manchmal gerne schimpfe und mir dann wieder vermeintlich Suizid oder zumindest angeblich Depressionen motivierende Musik, die eher aus der Rock-Sparte stammt, auflege, sondern eher: Positiv transferiertes Gefühl. Das wird vor allem auf der Bühne spürbar und ich kann nur jedem empfehlen, sich Cosby live anzuschauen. Am 19.9. hättet Ihr in Nürnberg noch die Chance – auf dem Pop Festival. Solltet Ihr da nichts spüren, messt bitte mal Euren Puls.

 

Videopremiere „YEAH!“

Da selbst viele Worte über Musik immer noch viel zu wenig sagen, hört – und seht – doch einfach selbst rein: Seit heute ist Cosbys neustes Video auch auf Youtube online! Heute Mittag habe ich als eine der Ersten draufgeguckt und bin immer noch fasziniert: Verbiegen kann sich Marie auch noch! Aber nur an der Stange. Ansonsten steckt zu viel Wolf in ihr.

Alle Fakten in Schwarzweiss

Offizielle Seite
Cosby auf FB
… und auf Youtube

* Mit Zombies haben es Cosby. Ich könnte noch ein weiteres Video an dieser Stelle verlinken, möchte Euch aber nicht damit traumatisieren. Es reicht, wenn ich heute Albträume deswegen habe 😉 (Ich bin eben Team Vampir.) Schlaue Füchse wissen an dieser Stelle, was sie zu googeln haben, und ausgebuffte Wölfe folgen einfach dem Youtube-Link unter „schwarzweiss“.

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