Erste Sendung von refugee.tv online

refugee.tv berichtet direkt vor Ort – aus Sicht der Flüchtlinge und Helfer. Beim ersten Report haben sie in Salzburg/Freilassing gedreht. Dem Grenzübergang, der jetzt wieder spürbar einer ist und sich wie ein geschütteltes kohlensäurehaltiges Getränk verhält.

Die einzelnen Schicksale, so kurz sie auch angerissen werden, machen mal wieder deutlich: Hier geht es nicht um Flüchtlinge als eine große, gesichtslose Masse, sondern um Menschen, Individuen, auf der Suche nach dem, was wir schon so lange – wenn nicht gar immer – genießen, ohne dass wir uns desssen überhaupt noch bewusst sind: Sicherheit. Freiheit. Leben.

Ich habe just vor wenigen Minuten auf FB die Einladung zur ihrer Seite erhalten,  bin froh über diese unmittelbare Form der Berichterstattung bin schon gespannt auf die weiteren Reportagen!

 

Button Blogger für Flüchtlinge

#BloggerfuerFluechtlinge

Auch die Blogger verschaffen sich schon länger Gehör unter #bloggerfuerfluechtlinge. Das Projekt selbst ruft zu Spenden auf – eine Aktion von vielen.

Weil ich jetzt wohl auch ein „Blogger“ bin (nach knapp 10 Monaten ist das schätzungsweise so) und natürlich meine Meinung dazu habe, muss das mal raus:

Ich habe nicht den blassesten Schimmer, wohin „das Alles“ letztlich führt. Vielleicht wird es eng, räumlich und finanziell. Aber tut uns das wirklich weh? Ist das nicht vielmehr die Angst und die Gewohnheit, lieber immer erst mal am Alten festzuhalten? Was mir viel mehr Angst macht, ist die Aggression, die sich in Deutschland breit macht, zwischen den zwei Lagern „Pro“ und „Contra“. Das Contra: Sehr laut und Gift spuckend, wenn es nur den Mund aufmacht. Das Pro: Verklärt und sanft lächelnd. Zwischen diesen Extremen kann natürlich keine vernünftige Kommunikation mehr stattfinden, Emotionen kochen hoch und Energien werden für Diskussionen verschleudert, in denen man längst  was hätte unternehmen können. Kann man dieses ewige Herumgerede nicht einfach sein lassen? Es steht ohnehin längst nicht mehr zur Debatte: Die Menschen sind da, und die Frage ist nun, wie wir ihnen begegnen wollen. Wer respektvoll, freundlich und aufgeschlossen behandelt werden will, sollte sich ebenfalls respektvoll, freundlich und aufgeschlossen verhalten. Das haben wir alle im Kindergarten gelernt – zumindest die, die nicht in diesem Moment abgelenkt waren, weil sie einem anderen die Fresse poliert haben. Und nach dem Gesetz der Resonanz, das es aus der Esoterik-Ecke in den normalen Alltagswortschatz geschafft hat, ziehen wir das an, was wir in uns tragen: Wenn uns Angst die Luft abschnürt, das Herz verengt und den Verstand nur noch zwischen zwei Scheuklappen durchschauen lässt, bringt das keinem was. Weder dem, der sich damit scheiße fühlt, noch dem, dem gegenüber sich der scheiße Fühlende scheiße verhält. Was passiert, wenn die Angst die Sicht komplett vernebelt und präventiv in Abwehr und Aversion kippt, sehen wir ja leider schon zu Genüge in den Medien. Ich bin sehr froh und erleichtert, dass ich in meinem persönlichen Umfeld so etwas nicht erlebe.

 

In Auxburg: Ist das alles Nix Neues.
Und trotzdem gibt es so viel Neues auf einmal!

In der Friedensstadt Augsburg (wir dürfen uns offiziell ja so nennen) ist die Resonanz der Helfenden enorm – was sicher auch daran liegt, dass sich Institutionen wie das Grandhotel Cosmopolis längst um die Belange der Asylsuchenden kümmern. Sie zeigen, dass es harmonisch, friedlich und ohne großes mediales Tamtam gemacht werden kann – und dann auch noch so unfassbar schön und kreativ!

Im Café Neruda mischen sich die Kulturen beim Kultur produzieren und bei den eben eröffneten Kültürtagen erst recht. Beim Festival der Kulturen erlebte ich einen der schönsten Abende dieses Sommers. Den Auftakt bot der Plan C –  Auxburg engagiert sich wie wild. Die Bereitwilligkeit zu spenden und zu helfen ist enorm, die anfangs geplante Lagerhalle hat sich schnell als zu klein herausgestellt und ein „Stopp!“ musste ausgerufen werden. Übergepäck eines Flüchtlings erscheint mittlerweile bei der Google-Suche berechtigt auf Platz 2 (gut, bei meinem  Browserverlauf und da Google weiß, wo ich wohne, ist das vielleicht nicht so überraschend).

Übergepäck eines Flüchtlings rankt bei Google auf Platz 2
Fluglinien, da schaut ihr blöd!

 

Und dann schafft es ausgerechnet ein Augsburger Blog groß in die Medien (und ich ziehe an dieser Stelle meinen Hut vor dem Chuzpe der Autoren): Der Volksverpetzer. Er bezieht klar Stellung und beweist mit seinem Facebook-Posting „Skandal! Flüchtlinge vermüllen Augsburger Innenstadt“ Mut: Man hätte ihn auch gewaltig falsch verstehen können. Die „besorgten Bürger“ hat er damit aber direkt an der Nase gepackt und ihnen hoffentlich die Scheuklappen etwas gelupft. Der Volksverpetzer klärt auch weiterhin auf, heute zum Beispiel, warum Deutschland letztlich von den Flüchtlingen wirtschaftlich profitiert.

Was wir machen können?

Jeder findet seinen Weg, wie er sich einbringen kann – wenn er es denn will. Ich erhebe gewiss nicht den Zeigefinger gegen die, die nichts unternehmen, zumal ich selbst vergleichsweise Nichts mache, wenn ich sehe, wie sich die Helfer vor Ort tatkräftig und mit viel Herz und körperlichem Einsatz engagieren. Da mein Handlungsbereich vor allem die Kommunikation ist, agiere ich vor allem auf den sozialen Kanälen, teile fleißig, was mir unter die Finger kommt und versuche damit, wenigstens ein bisschen beitragen zu können. Und wenn es auch mal nur so ein Blödsinn ist, wie hier auf dem Blog tolle deutsche Wörter wie den Frechdachs genauer zu erklären. Denn bei allem Ernst der Lage finde ich ein bisschen Humor auch nicht verkehrt. Respektvoll muss er halt bleiben.

Aber was wirklich jeder, jeder, jeder machen kann: Hirnkastel einschalten. Den Mund aufmachen, wenn andere Bockmist über „die Flüchtlinge“ erzählen. An die Ängstlichen: Tut uns allen und Euch selbst einen Gefallen und nehmt mal Eure Scheuklappen ab. Beweisen wir doch lieber die Humanität, die für unsere Kultur selbstverständlich sein sollte. Oder wollt Ihr Euch von der lieber auch distanzieren?

 

0

Auch interessant

2 comments

Antworten

Ich bin ja nicht annähernd 10 Monate ein sogenannter Blogger (Bin ich das überhaupt? Wollte ich eigentlich nie sein. Verdammt!) und musste mich trotzdem vor einem Monat mal kurz und herzlich über die Scheinheiligkeit der Argumentation von Schützern der christlichen Werte auskotzen.

https://dampfbloque.wordpress.com/2015/10/01/ich-haette-da-mal-ein-bis-zwei-fragen/

Kann man nicht oft genug machen, weil diese Thematik einfach so elendig oberflächlich erörtert wird. Und solange ich zwischendurch auch wieder geistig leichtgewichtige Artikel produzieren kann, werde ich immerhin nicht depressiv. Tolle Sache, dieses Bloggen.

PS: Bei welcher Agentur in Augsburg? Nur interessehalber. Markt sondieren. 😉

Antworten

Ja, bloggen ist toll, nen Blog haben auch, sich Blogger nennen steht doch noch auf einem anderen Zettelchen 😉 Ich kleb den auch lieber anderen auf die Stirn. Finde es aber lustig, wenn sich andere vertun und „Blocker“ draus machen. Selbstironie tut ja generell ganz gut!

Das mit der Agentur … per Mail bitte 😉

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Required fields are marked *

*