Designer sind komische Wesen. Sie tragen viel schwarz. Wer sie als „Hipster“ bezeichnet, wird im Nullkommanichts zerhackstückelt. Designer schaffen ständig Neues: In ihrem Beruf, der ihre Berufung ist, und auch in ihrem Liebesleben. Wenn ein Designer gerade keines hat, neigt er zu Onlinedating – oh wie praktisch, das geht ja am Mac – und nach Arbeitsschluss um 22.32 Uhr. Solltest Du Dich auf ein Date mit einem Designer einlassen, worauf gilt es dann zu achten?

1. Mit einem Designer kann man so schön angeben. Nicht?

Bei „Ich date gerade einen Designer!“ gucken Deine Freunde erst mal ehrfürchtig – es sei denn, sie arbeiten selbst in einer Werbeagentur. Viele meinen, Designer würden ständig teure Designer-Klamotten tragen und Soja Macchiato schlürfen, während sie am Mac mit drei Klicks Webseiten entstehen lassen. Oder sie sitzen in Brainstormings, also in Meetings, die keine sind, weil man in denen nur wirre Ideen spinnt – und saufen dabei wieder Soja Macchiato oder Härteres. Alle Designer nehmen Koks. Sie kickern und kichern und gehen nach 14 Stunden Arbeit in den angesagtesten Club der Stadt oder feiern gleich direkt in ihrer Agentur. Morgens um 5 Uhr werden die Praktikanten gevögelt. Klar, dass ein Arbeitsalltag da nie vor 11 Uhr starten kann! Für all das bekommen sie unfassbar viel Geld, denn von irgendwas muss man sich die Apple-Produkte und hippe Sneakers ja leisten können.

Wenn Du Dich auf das Experiment „Designer daten“ einlässt, wirst Du bald erfahren, dass das auch nur ein Mensch ist, der einen Bürojob macht. Einen sehr geilen, zugegeben.

 

2. Designer investieren von Anfang an. Sogar für nichts.

Dein Designer hat gerade „ verfluchte Bitch“ gesagt? Keine Sorge, er sprach nur von einem Pitch! Das bedeutet, dass er gerade in Vorleistung für einen potenziellen Auftrag geht: „Geben Sie ein cross-mediales Konzept für eine deutschlandweite Kampagne für Virtual-Reality-basierte Stützstrümpfe ab“. Agenturen erhalten dafür in der Regel kein Geld. Weil der Markt um den VR-Stützstrumpf-Kunden hart umkämpft ist, wird neben dem Konzept auch gleich das Design abgeliefert – für das neue Logo, das neue Lead-Motiv, die potenziellen Sub-Marken, Flyer, Broschüren und Plakate und natürlich die Website, die so holy-shit-gnadenlos-geil-responsive ist, dass Dein lieber Designer nicht mehr geradeaus gucken kann.

Es steht außer Frage, dass der Designer auch für Dich alles machen wird. Versuche dennoch, Dich zurückzuhalten und verlange von ihm nicht, dass er für Onkel Herbert ein Logo macht, weil der 800 km entfernt einen neuen Laden eröffnet. Deine Eltern brauchen eine Einladung für die Silberhochzeit und Dein bester Freund mit der Indie-Band ein Cover fürs Debüt-Album? Das würde ein Designer alles machen. Weil er es liebt. Und Dich vielleicht auch. Nur ist ein Logo nicht mal eben in fünf Minuten gemacht, und Du würdest Deinen Designer-Liebsten dann gar nicht mehr zu Gesicht bekommen. (Diese Gefahr besteht wegen 9. und 10. ohnehin.)

 

3. Designer sind kritikfähig. Bis sie explodieren.

Designer sind am glücklichsten, wenn sie sich ganz der Gestaltung hingeben können. Um ihren hohen Energie-Pegel irgendwie kanalisieren zu können und bevor sich die übermotivierten Designer an den Agentur-Pflanzen vergreifen und sie alle nach dem goldenen Schnitt im Raum verteilen oder die Kaffeetassen mit Edding verschönern, verlangen die Agentur-Chefs, dass der Designer doch bitte drei Entwürfe machen soll. So ist der Designer ruhig gestellt und die Agentur-Einrichtung sicher.

Die Gefahr wird aber wieder greifbar, sobald der Kunde sein gefürchtetes Feedback gibt: „Ich hätte gerne Entwurf A. Mit der Schrift von B und dem Motiv von C. Außerdem ist die Lieblingsfarbe meiner Frau blau – können sie das Logo blau machen? Und dann gleich noch größer, wenn Sie schon dabei sind. Genügend Platz ist dafür ja noch. Meine Frau hat schon mal gezeichnet, wie der Entwurf noch besser aussehen könnte. Ich habe Ihnen gerade eben etwas gefaxt. Die weiteren Korrekturen kommen dann per Post. Eine Alternative für das Titel-Bild sende ich Ihnen anbei in einem Word-Dokument mit. Ansonsten bin ich echt zufrieden. Wir sind auf einem guten Weg, die Deadline einhalten zu können. Oder wollten Sie über Weihnachten frei machen?“

Jeder, auch Du, kann und darf mit einem Designer diskutieren. Ein guter Designer ist kritikfähig, um jede Anregung dankbar und wird mit Dir gerne bis tief in die Nacht aufs Lebendigste und Schönste diskutieren. Denn reden kann er! Du riskierst aber Dein vorzeitiges Ableben, wenn Du seine Kompetenz als Designer untergräbst oder Comic Sans erwähnst.

 

4. Designer lieben und haben Individualität & Klasse.

Vielleicht sieht Dein Designer nicht am besten aus – aber er hat Geschmack. Wenn jemand sogar dreckiges Geschirr schön stapeln kann, dann er! Er kennt die guten Labels, die Stores, die erst in drei Jahren aufpoppen werden und hört heute schon die Band, von der alle anderen erst in sechs Wochen sprechen. Oder auch nie. Er schleppt Dich mit in Independent- und Arthouse-Filme, wenn er ein ganz krasser ist, in OoU. Nach 120 Minuten einer Dokumentation in Sanskrit bringt er Dich mit dazu, Mehlwurm-Burger zu probieren. Ein Designer kann nie damit aufhören, Neues zu entdecken und offen für alles zu sein. Mit seinem Enthusiasmus steckt er alle an. Auch Dich. Deswegen ist er für Dich irgendwann der schönste Mensch. Auch wenn er in seinem neuen Sweatshirt dieses isländischen Labels, das Du bei bestem Willen nicht aussprechen kannst, etwas sonderbar aussieht.

Da Designer immer das Besondere und Außergewöhnliche suchen, spricht das auch für Dich. Der Designer lässt sich dabei vom Äußeren wenig beeindrucken, weil er ständig damit zu tun hat. Deswegen lieben Designer Menschen und Design-Klassiker mit Charakter und Substanz: Volvo. Vitra. Bialetti. Dich.

 

5. Designer sind nicht oberflächlich.

Entgegen jedem Klischee sind Designer also gar nicht auf die reine Optik fixiert. Bevor sie coole Designs entwickeln können, müssen sie genau analysieren, was sie warum, wie und für wen tun. Und dann müssen sie auch noch den Kunden zufriedenstellen (siehe 2. und 3.)! Designer sind daher sehr einfühlsam, leidensfähig und tolerant und haben viel Verständnis für ihr Gegenüber. Ihr Blick fürs Detail kann dabei manchmal zugegeben nerven (siehe 6.). Wenn sie widersprechen, dann nicht aus purer Egowischerei, sondern weil sie das größere Ganze im Auge haben. Viele Designer wollen die Welt nicht schöner, sondern besser machen – verständlicher, greifbarer, einfacher. Sie finden es aber natürlich auch geil, wenn es dann auch noch geil aussieht.

 

6. Designer sind Korinthenkacker auf mikroskopischstem Niveau.

Auch wenn Designer immer einen Blick aufs Gesamtbild haben (siehe 5.), so sind sie doch die schlimmsten Klugscheißer und achten auf Details, die sich Deiner Wahrnehmung komplett entziehen. Das kommt davon, weil sie im Beruf ständig darauf achten, dass alles pixelgenau im Gestaltungsraster und jeder Apostroph richtig sitzt. Niemand kann sich so lange und ausdauernd mit scheinbaren Kleinigkeiten wie Schriften, Farben oder Papierstärken auseinandersetzen wie Designer. Wo es anderen reichen würde, die Information in Arial auf ein Blatt DIN A4 zu setzen mit einem unterbelichteten Bild daneben, fängt die Arbeit für einen Designer erst richtig an.

Ein Designer wird sich um Deine Bedürfnisse kümmern, von denen Du noch gar nicht wusstest, dass Du sie überhaupt hast.

 

7. Designer sind schlimmste Skeptiker.

Designer sind auch deswegen Designer, weil sie alles hinterfragen. Ihr Projekt, ihre Idee und damit in letzter Instanz immer auch sich selbst. Selbstverliebte Affen können Designer also gar nicht sein. Vielleicht treten sie sehr selbstbewusst auf in ihrer Präsentation und haben ihr Näschen weit über den schwarzen Rand ihres Rollkragenpullovers erhoben – ganz tief drin wünschen sie sich, dass man ihr Köpfchen tätschelt und sagt, dass alles gut ist, so, wie es ist.

Designer müssen den Status Quo und sich selbst ständig hinterfragen, um optimale Ergebnisse zu erzielen. Dieser innere Antrieb macht sie gut in ihrem Beruf, aber auch zu komplizierten Menschen. Über kurz oder lang wird Dein Designer auch Dich und Eure Beziehung sezieren. Kritisch und penibel, wie er eben ist, kann dabei Weißdergeierwas herauskommen. Erwähne in einer solchen Phase auf keinen Fall das Wort „Comic Sans“.

 

 

8. Designer sind unterbezahlte Workaholics.

Designer verdienen weit weniger, als oft angenommen wird. Die große Blütezeit längst vorbei, Werbeagenturen sind keine Elfenbeintürme mehr. Deswegen geben Designer aber nicht klein bei: Sie schaffen es, mit ihrem Kirchenmaus-Gehalt das Leben eines wilden Tigers oder zumindest eines stolzen bengalischen Kätzchens zu führen. Und wenn das heißt, dass sie zwei Jobs haben – von irgendwas muss man sein iPhone ja bezahlen! Auch wenn Du es nur gut meinst und Deinen Designer vor einem Burnout bewahren willst: Vermittle ihm keinen langweiligen, aber gut bezahlten Job bei Onkel Herbert. Der Designer will es ja so.

Wenn Du Dich auf einen Designer einlässt, kann es also gut sein, dass Du ihn seltener zu Gesicht bekommst, als Dir lieb ist. Sein Arbeitsalltag wird nunmal von Abgabeterminen und Deadlines bestimmt. Wenn in ganz Auxburg das Licht schon aus ist, leuchten die Fenster der Werbeagenturen noch hell. Und selbst wenn Dein Designer in einer Agentur arbeitet, die Wert auf eine geregelte Work/Life-Balance legt, dann gibt Dein lieber Designer auch in der Freizeit keine Ruhe und macht da auch noch irgendwas Kreatives. Manche von ihnen bloggen sogar. OK, manchmal wird das alles ein bisschen viel. Aber dann fällt dem Designer schon was ein …

 

9. Designer brauchen viel Freiraum.

Design lebt von der scheinbar ungestalteten Fläche. Was der Kunde als Platzverschwendung bezeichnet, verteidigt der Designer als „Weißraum“. Um nach all der Arbeit, dem anstrengenden Kunden-Feedback und der kreativen Freizeitgestaltung auch wieder zu sich zu finden, benötigen Designer außerdem viel Freiraum. Kreative sind häufig introvertiert, das heißt, sie laden ihre Akkus erst wieder in der Stille auf. Eine Stille, die auch Deine Abwesenheit implementiert.

Was Du in der Zwischenzeit machen kannst? Die Einladung für die Silberhochzeit Deiner Eltern. In Word.

 

10. Designer sind mutig.

Wer ständig im Beruf neue Wege beschreiten will, kommt nicht weit, wenn er ständig den Schwanz einzieht. Auch wenn man es bei ihrem Schreibtisch-Job nicht erwarten würde: Designer müssen ständig Mut beweisen. Ihre Windmühlen heißen Konvention, Bequemlichkeit und Kundenfeedback. Oder Powerpoint. Ein Designer, der nie aufbegehrt, endet irgendwann als Reinzeichner oder bei Onkel Herbert im Geschäft.

Dieser Mut kann anstrengend sein, weil ein Designer nie aufhört, Designer zu sein. Bist Du dafür bereit?

 

11. Du bekommst nicht nur einen Designer als Partner!

Solltest Du Dich auf das Abenteuer einlassen wollen, mit einem Designer zusammenzutun, erhältst Du mit ihm so viel mehr als nur einen Designer: Er ist Dein Trend- und Einkaufsberater, DJ und bringt ordentlich Wind in Dein Leben. Solltet Ihr zusammenziehen, hat der Designer Eure Wohnung schneller schön eingerichtet, als Du „IKEA“ sagen kannst. Er ist der aufmerksame Partner, der sofort sieht, wenn Du neue Socken trägst oder es Dir scheiße geht. Er liebt es, Dich regelmäßig zu überraschen.

Ja, er ist ein kleiner Nerd, der Designer. Er schmeißt sein nichtvorhandenes Geld für Apple-Produkte und skandinavisches Design heraus und verteidigt sie mit seinem Leben. Früh am Morgen ist er ein Griesgram und will Dich dafür abends um 00.38 Uhr besuchen. Manchmal wird er zum Misanthrop – weil er sich ständig in alle hineinfühlen muss. Und weil er Kundenfeedback erhalten hat. Gönn ihm dann seine Ruhe und den Freiraum. So kannst Du ihn für Dich gewinnen. Und indem Du häufig die vielen Ideen in seinem Köpfchen streichelst.

 

Wem das alles als Erklärung noch nicht reicht: Dieses zugegeben schon etwas alte Video bringt den Arbeitsalltag von Designern genau auf den Punkt:

 

 

Aus Gründen der Lesbarkeit blablabla betrifft das natürlich auch Designerinnen. Da haben wir alle den gleichen Knacks.
Titelbild: Stocksnap, Handlettering von auxkvisit. Alle GIFS von giphy.com (ach nee).
1

Auch interessant

7 comments

Antworten

hihi, ich musste wieder herzlichst schmunzeln – wie passen! und übrigens, auch wenn ich weit entfernt von jeamdenm, der sich Designer nennen darf, entfernt bin, Nummer 6 passt sehr gut auf mich 🙂

❤ Tina
https://liebewasist.wordpress.com/
https://www.instagram.com/liebewasist/

Antworten

Du dürftest Dich sogar Designer nennen, wenn Du magst 😉
Ich finde das immer wieder interessant zu sehen, wie Jobs und Persönlichkeiten zusammenpassen. Sicher gibt’s solche und solche, aber bei einem Haufen Designer merkt man schnell, wie herrlich gaga man zusammen ist 🙈

Antworten

Gemeinsam gaga zu sein ist nun auch irgendwelchen Typen eigen, die zur Rubrik „irgendwas mit Computern“ gehören. Ja, in diesem Falle meistens Typen, keine Typinnen. Das Klischee muß schon gewahrt bleiben. Außerdem kennen sich Designer nie damit aus, wie ihr tolles „Smart“phone denn nun technisch eigentlich funktioniert. Oder ihre hipstermäßige Applekiste, die ja un-be-dingt zum dreifachen Preis angeschafft werden muß, weil…ja, weil weiß ich auch nicht,. So rein technisch gibt’s da nämlich keinen echten Grund. Aber egal. Da werde ich schon wieder nerdig.

Was ich vermisse: Wie küssen die Designer denn nun? Gerade so aus Sicht einer Konsumpropagandistin? Ich will nicht wissen, mit welchem IKEA die das Schlafzimmer designen. Wie sind die da so?
Hören Designer je auf damit? Ist die Sicht fürs Detail und der geradezu pathologische Hang zu Details eine Schnittmenge mit Nerds und Nerdinen? Wird darauf geachtet, daß die Kondomfarbe zur Bettwäsche paßt?

Fragen über Fragen, die offen bleiben 😀

Antworten

Um das Klischee-Kistchen weiterhin zu bedienen: Alle Fragen zu klären ist ja auch nicht Aufgabe der Konsumpropagandeure – wer möchte das Produkt dann noch haben 😉

Sie küssen aber ganz phantastisch 😀
(Zumindest der eine.)

Antworten

@Kassandra21

Ich kaufe Apple Produkte aus ergonomischen und effizienten Gründen. Leistung ist nicht alles und wer das nicht verstanden hat, ist aus meiner Sicht kein guter Designer. Darum kaufen viele Designer auch Apple Produkte, weil sie Ergonomie, Effizienz und natürlich Ästhetik mehr schätzen als pure Leistung. Denn dahinter steckt oft mehr Finesse und das macht ein Produkt gleichzeitig faszinierend.

Leider hast du dich noch nie wirklich mit deren Produkte auseinandergesetzt, tust hier aber so, als wüsstest du bescheid, während du anderen Ahnungslosigkeit vorwirfst.

Übrigens ein einfaches Beispiel für Effizienz: es gibt bei macOS eine Arbeitsspeicherkomprimierung, die unbenutzte Programme im RAM komprimiert. Somit wird mehr Speicher nutzbar. Das bedeutet also, wenn ich einen Mac kaufe mit 8GB RAM kann ich mehr RAM nutzen als mit einem PC der 8GB RAM hat. Windows besitzt sowas nicht. Also, wer hat hier die Nase vorn? Wer hat hier mehr Finesse eingebracht?

Und ja, die ganzen Klischee hier im Text beschreiben mein Wesen. Was ich irgendwie etwas krass finde, da ich das gar nicht mit Absicht mache.

Antworten

Nachtrag: http://www.sueddeutsche.de/digital/computer-betriebskosten-macs-sind-im-betrieb-dreimal-guenstiger-als-windows-pcs-1.3217266

Wer günstig kauft, kauft teurer.

Antworten

Du hast ja so Recht: Ich hab nicht die mindeste Ahnung von den Teilen. Ich arbeite einfach mit ihnen und sie tun, was sie sollen.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Required fields are marked *

*