Liebe Leser, liebe Leserinnen, liebe Lesende, liebe Lebende, liebe Leute, meine Lieben!

Wie Ihr wisst, beginne ich einen Blog-Eintrag niemals so. Nicht aus Unhöflichkeit, sondern weil ich es für unnötig halte und es so meine Art nicht ist: Ich komme gerne gleich zur Sache. Natürlich spreche ich alleine schon der Höflichkeit halber Menschen im realen Kontext vorab lieber mit Namen an – aber Eure kenne ich ja nicht.

Deswegen lasse ich diesen Firlefanz. Problem ist nur: Irgendwann spreche ich Euch ja doch an. Und da stellt sich mir die Frage, die auch momentan in der Blogosphäre heiß diskutiert wird: Wie spricht man seine Leser „richtig“ an? Im Singular, Plural, kumpelhaft-privat oder doch lieber formell? Die meisten Blogger, vor allem die, die übers Bloggen bloggen, sprechen sich klar fürs „Du“ aus: Das wirke persönlicher. Ein „Ihr“ könne schnell lehrer- bis gönnerhaft wirken und ziemlich von oben herab. Ist das so?

Die meisten Blogs, die ich mag, formulieren weiterhin in der Mehrzahl. Manche sind sogar so dreist und verwenden nur eine Form, weil sie es aus gewissen Gründen können: You.

Was ist nun besser, richtiger, durch welche Ansprache fühlen sich Leser persönlich stärker angesprochen?
Elegant löst es Mitzi Irsay, die ihre Leser zwar siezt, aber das in einem so warmen Ton, dass man sich deswegen nie distanziert fühlt. Das schafft aber eben auch nicht jeder.

Nun saß ich heute Abend mit anderen Augsburger Bloggern an einem Tisch im wunderschön renovierten Viktor und platzte mit der Frage heraus, die mir seit Wochen auf dem Herzen liegt:

 

„Duzt Ihr oder ihrzt Ihr?“

Kurzes Schweigen, dann ein vierstimmiges Lachen: Wir ihrzen alle, stellten wir fest. Unsere saloppen, doch recht emotionalen Argumente: Dass das besser klingt, es uns selber lieber ist, so angesprochen zu werden; dass ja auch weitgehend klar ist, dass mehr als nur einer den Blog liest.

Ich habe es einmal mit einem Du versucht und fühlte mich beim Schreiben ziemlich bescheuert, wollte es aber wenigstens einmal probieren. Meine Tonlage ist das „Du“ so gar nicht, es fühlt sich schnell gurumäßig an. Zu Selbsthilfe- und Achtsamkeits-Blogs mag diese Tonalität passen. Zu Blogs, die vorrangig Tipps und Anleitungen geben, auch. Zu Auxkvisit aber nicht.

Ist nicht das die ernüchternd langweilige Antwort auf die olle Du-oder-Ihr-Frage: Wie der Leser am besten angesprochen wird, hängt vom jeweiligen Inhalt, dem Angebot/der Aufarbeitung, der Absicht und der Persönlichkeit (und damit dem Schreibstil) des Bloggers ab. Ein „Ihr“ wirkt nicht automatisch von oben herab wie ein „Du“ nicht gurumäßig klingen muss – wichtig ist nur, dass der Ton auf Augenhöhe erfolgt und es sich echt anhört.

 

Erkennst Du Dich in einem „Ihr“ nicht?

Ein „Ihr“ schreckt Euch doch sicher nicht ab? Oder fühlst Du Dich unmittelbarer angesprochener, wenn ich Dich duze? Wirkt es aber nicht doppelt übertrieben, weil ich in dieser Hinsicht stur auf der alten Rechtschreibung beharre (nicht immer, aber in mir wichtigen Dingen wie zum Beispiel dem Ph an phielen phermeintlich unnötigen Stellen – aber Phantasie mit F ist doch scheiße!) und das „Du“ noch dazu groß schreibe? Fühlst du dich so wohler?

Ich mich nicht.

Ich kann Dich nicht duzen, solang ich Dich nicht persönlich kenne. Ich kann Dich nicht duzen, solange ich nicht weiß, ob Du einigermaßen in meinem Alter oder doch eher 64 bist und fünf Doktortitel hast oder andere respektable Referenzen, die mich im Alltag nie auf die Idee kommen lassen würden, Dich ungefragt zu duzen. (Es tut mir leid, dass ich es an dieser Stelle getan habe.) Ich will Sie aber auch nicht siezen, weil mir das beim Schreiben alles innerlich verschließt.

Es heißt, man solle sich vorstellen, zu seinen Leser so zu sprechen, als säße man mit seinem besten Freund am Küchentisch. Und wenn wir eben zu fünft drum herum sitzen? Ich möchte Euch alle auf einmal ansprechen, nicht nur Dich allein. Wenn ich nur mit Dir sprechen will, schreibe ich Dir einen handgeschriebenen Brief, ein Post-It oder eine Postkarte. Solange möchte ich Euch ihrzen. Von Herzen.

 

Augsburger Blogger, Ihr seid gefragt!

Weil wir gerne mehr Blogger in unserer monatlichen Runde mit dabei hätten, hier höchst auxkvisit-offiziell die Info für alle Blogger, Bloggerinnen, Bloggende und Blogeusen: Es gibt eine Facebook-Gruppe für Augsburger Blogger, die sich, surprise, surprise, Augsburger Bloggerstammtisch nennt! Seid Ihr noch nicht dabei, weil Euch das Wort „Stammtisch“ abschreckt? Keine Sorge: Wir saufen uns da nicht mit Bier zu und prahlen mit Klickzahlen, sondern nippen an Maracujaschorle und sprechen auch öfter mal über Unbloggiges, weil wir uns bei jedem Treffen ja auch immer mehr anfreunden und dann auch anderes voneinander wissen wollen. Manchmal artet es in Mädelsgesprächen aus, weil meistens nur solche da sind. Herren sind natürlich auch herzlich willkommen! Bloggende Herren, versteht sich.

Dabei rotieren wir Monat für Monat durch Auxburgs schönste Cafés, Restaurants und Kneipen und haben es noch nie erlebt, dass eine Reservierung das Wort „Blog“ richtig geschrieben hätte. Trotzdem finden wir es schade, dass unser Grüppchen immer kleiner wird. Also: Wenn Du, ja DU, bloggst oder jemanden kennst, der auch bloggt dann … Ihr wisst, was zu tun ist.

Heute mit dabei waren übrigens: Ramona von Princess Pietsch,  Claudia von Hüpfgemüse und Lisa von Meetshaus/Familylife.rocks/HausHofKind.

Reserviert für 5 Blocker.

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5 comments

Antworten

Hi Miriam,

ich bin für das klassische Ihr…
Manchmal kann es auch das majestätische Ihr sein… 🙂
Nein nein, die Diskussion ist schwierig, ich persönlich lese am liebsten Blogbeiträge, die mich mit anderen ansprechen. Also mit Ihr. Ich spreche meine Leserinnen und Leser auch mit Ihr an und fühle mich dabei am wohlsten.
Das Du ist so… Hm ich weiß nicht… so direkt, so… „10 Dinge, wie du deinen Blog erfolgreich machst“
ja ich glaube das trifft es.
Wer hoch hinaus will und gezwungen unbedingt hohe Klickzahlen erreichen will, der klingt – oft – nicht immer – wie ein du, der packt noch 7 Gründe dazu und macht überhaupt alles richtig im Bloggerleben…

Also ich glaube, du kannst gerne beim Ihr bleiben, das geht immer, besonders im wunderschena Augschburg.

Viele Grüße Jürgen

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Hallo Jürgen,
ja, das ist schon schade, dass in dem SEO-Optimierungs-Wust manchmal das Individuelle verloren geht. Klar findet Google das schneller – oder die Leser springen schneller drauf an, aus irgendwelchen kommunikations-psychologischen Gründen … Aber wo bleibt dann noch der Spaß an der Sache?

Dann wünsche ich Dir, äh, Euch einen schönen Abend!

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Wenn ich so darüber nachdenke, fühle ich mich wohl als Teil eines „ihr“ am wohlsten. Vielleicht weil das „du“ ein bisschen so ist, wie damals in der Schule, wenn einen der Lehrer direkt angesprochen hat, weil sich keiner freiwillig gemeldet hat. Im „ihr“ ist man Teil einer flauschigen größeren Gruppe. Ich selbst springe aber glaube ich beim Schreiben auch dauernd zwischen „du“ und „ihr“ – weiss auch nicht so recht, was besser ist.
Aber groß geschrieben mag ich das „ihr“ nicht – es sieht irgendwie falsch aus 😀

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Hi Miriam,

ich habe die Diskussion ja quasi gestartet mit meinem Artikel. Ich persönlich fühle mich tatsächlich wohler, wenn ich geduzt werde. Ich bin natürlich auch noch keine 65 und habe keinen Doktortitel. Wobei das Internet in dieser Hinsicht ja hilfreich ist 🙂

Seine Leser zu duzen ist natürlich kein Dogma, es passt nicht zu jedem Blog und nicht zu jedem Blogger. Grundsätzlich gilt, dass man sich mit seiner Art der Anrede wohlfühlen sollte. Dann ist das schon okay.

Viele Grüße, Andreas

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Hehe, ja, da hast du eine Diskussion losgetreten. Ich finde es auch gut und wichtig, sich darüber Gedanken zu machen, wen man mit seinem Blog anspricht und wie. Aber da findet eben jeder seine eigenen Antworten. Ist ja auch gut so 🙂

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