Habt Ihr in den letzten Tagen etwas auf Auxkvisit bemerkt? Ich hatte Urlaub. Kein Wunder, wenn Euch das durchgerutscht ist: Fast hätte ich ihn selbst kaum bemerkt. Kurz bevor er zu Ende war, wollte ich dann doch noch raus aus Auxburg. Denn so schön es hier auch ist: Ich will auch mal anderer Städte kennenlernen. Zum Beispiel Köln: Eine Stadt, die ich bislang kaum auf dem Radar hatte – und jetzt dafür umso mehr!

Liebe Augsburger, Ihr müsst jetzt ganz stark sein: Köln ist so charmant, dass ich bereits dabei bin, den Begriff „kölnskvisit“ zu kultivieren. Müsst Ihr Euch Sorgen machen, dass ich abhaue? Butter bei die Fische: Wie schneidet Köln im Vergleich mit Auxburg ab?

1. Die Stadt, ihre Größe & ihre Menschen

Okay, okay: Mit über einer Million Einwohner ist Köln ein klein bisschen größer als Auxburg mit seiner ca. Viertelmillion. Das bemerkt man an den Straßenläufen und natürlich ganz besonders, sobald man eine Brücke über den Rhein überquert. Der ist gefühlt so breit wie der Lech durch Aux lang. Somit hätte Köln durchaus das Potenzial, mich rein wegen der Größe zu verschrecken.

Weil Köln viermal so groß ist, ist auch mindestens viermal so viel los. Das bemerkt man vor allem, wenn an einem Montag Abend so viel los ist wie in Augsburg an einem Samstag. Die zunehmende Beliebtheit einiger Viertel macht Köln aber bereits zu schaffen – hallo Gentrifizierung! Erst wird gefeiert, dann sich fortgepflanzt, und dann müssen die Kinder versorgt und ein guter Lebensstandard garantiert werden. Das heißt im Klartext: Tschüss Underground und Helios 37 auf dem Heliosgelände. Die Clubs müssen weichen, ausgerechnet auf dem phantastischen Industrie-Gelände mitten in der Stadt soll eine Schule entstehen. Ach ja: Ein Leuchtturm steht sort übrigens auch.

Trotz der Größe und Menschenmassen hat Köln aber nichts Anonymes, wie ich es von anderen Großstädten gewohnt bin. Köln menschelt am meisten. Man merkt, dass die Leute gerne dort leben und vor allem auch gerne miteinander. Sehr down-to-earth gehen die Kölner recht herzlich und aufgeschlossen miteinander um: Jeder quasselt sofort mit jedem. Für mich Intro war das manchmal etwas viel. Trotzdem oder eben gerade deswegen habe ich mich gleich rundum wohl gefühlt: Die Kölner sind eben richtig nett und freundlich. Und überaus lässig: Die Ampel ist rot? Wen schert’s! Aber wetten: Bei unserer Kasperl-Ampel würde selbst ein Kölner irritiert stehen bleiben. Sowas kennt er noch nicht, auch wenn’s in Köln ebenfalls weit mehr außergewöhnliche Ampelmotive gibt.

Weil ich auch Auxburg, seine überschaubare Größe und Menschen mag, gibt es aber erstmal ein neutrales
Augsburg : Köln » 1 : 1

 

2. Bisschen hässlich, aber gerade deswegen geil:
Die Architektur

Zugegeben: Wenn man den pittoresken Puppenstädtchen-Charme Augsburgs gewöhnt ist, ist Köln erstmal ein bisschen „m-hm“. In den Ecken, in denen ich unterwegs war, war die Altbau-Dichte nicht so hoch, wie sie für meinen Geschmack gerne sein dürfte. Kaum siehst Du einen wunderbaren Altbau, kuschelt sich ein grässlicher Neubau daran. Wobei ich leider zugeben muss, dass sich die manchmal wunderbar ergänzen.

Köln: Wo Altbau mit Neubau kuschelt
Köln: Wo sich selbst architektonische Gegensätze harmonisch vereinen

Vieles wird von wilden Graffitis, Aufklebern oder Plakaten übertüncht (Ja, Plakate, Augsburg, da guckst du blöd!). Es gibt alle paar Meter Überraschendes zu entdecken – für mich als Neuling natürlich ganz besonders. Köln ist definitiv mehr Punk als Augsburg. Ich mag das.

Viele Häuser sind nur zwei Stockwerke hoch– zumindest in Ehrenfeld, wo ich mich bisher am meisten herumgetrieben habe. Ich wundere mich, wie im guten Sinne „dörflich“ sich eine Millionenstadt anfühlen kann – und gleichzeitig so urban.

Augsburg : Köln » 2 : 2

 

3. Lass Dich überraschen:
Die Wohnungen in Köln

Endlich weiß ich, wo es diese geilen Wohnungen gibt, wie man sie aus deutschen Spielfilmen kennt! Stichwort: Berlin Kreuzberg, kreativ, Secondhand, Design-Klassiker. Mit original altem Parkett, auf dem der Schatten der Vintage-Lampe sanft schaukelt. Mein Hintern versinkt auf einem weichen, schlicht-schönen Sofa und mein Blick kann sich nicht entscheiden, ob er den Synapsen im Gehirn „Seufzen, weil es gar so schön ist“ oder „Neid“ entlocken soll. Ich seufze vor Neid.

Bestimmt gibt es auch gegnügend versegmüllerte Wohnungen in Köln. Und coolen Wohn-Stil können Augsburger natürlich auch. In der Schmalspur-Version schaffe ich das auch in meinem krummen Altbau mit dem hässlichsten Teppich der Welt. Was unserem Renaissance-Augsburg aber halt fehlt: Die lichtdurchfluteten Altbauten mit gefühlt viereinhalb Meter Deckenhöhe und ungefähr 50 qm-großen Zimmern.

Die Mieten natürlich: Skandalös. Da hat Augsburg definitiv noch die Nase vorn. Was bringt einem die schönste Wohnung, wenn man sie nicht haben kann? Aus reinem Selbstschutz gebe ich diesen Punkt an Augsburg.

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Miriam von Auxkvisit in Köln
Auxkvisit war in Köln und da ein bisschen grün vor Neid ;)

 

4. Brauchste was?
Überall ein Kiosk in Köln

Was Kölner in Aux übelst vermissen und ich mangels Erfahrung gar nicht erst für nötig gehalten hätte: Die Kioske. Keine Straße ohne ein Büdchen, in dem man jederzeit alles kaufen kann. Vor allem Flüssiges. Hoch im Kurs natürlich: Kölsch. Empfehlenswert: Das alkoholfreie Reissdorf. Schmeckt tatsächlich besser als das mit. Was der Kölner von seinem Kölsch hält, erkennt man daran, dass das 0,3er Kölsch am Kiosk genau so viel kostet wie das 0,5er 😉

Und während durch Augsburg an einem Sonntag ein Entsetzensschrei durch so manches Viertel schallt, weil die Milch alle ist, lacht der Kölner: Sowas gibt’s in den Büdchen natürlich auch. Oder in dem einen oder anderen Supermarkt, der tatsächlich 24/7 offen hat.

„Was willst Du?“, fragt mich der Kölner, der mir seine Stadt zeigt und eben ins Kiosk einbiegt, um uns mit Trinkbarem zu versorgen, und ich antworte in Gedanken: „Ein Büdchen in Augsburg. Oder auch zwei!“ Er kommt mit zwei Gösser Radlern zurück. Wuah, Köln, Du hast mich!

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Schilderwald in Köln: Kiosk und Reiner Görtz Partnervermittlung aus den 60ern
Was darf’s sein: Ein Kölsch ausm Kiosk – oder doch lieber eine Partnervermittlung?

 

5. Rhein ins Wasser!
Oder lieber doch nicht

Nach meinem kleinen Urlaub in Köln finde ich leider Lech und Wertach nicht mehr. Ach, diese dünnen Rinnsale durch Augsburg? Ups.

Das Beeindruckende am Rhein (oder Main, wie ich ihn manchmal liebevoll-verwirrt nenne) ist nicht nur seine Größe, sondern das Drumherum – und Darüberhinweg. Ich liebe ja Brücken. Je älter, umso besser. Besonders schön fand ich: Die Südbrücke. Ein wunderbares Eisenmonster, vollgesprüht und anscheinend auch Lieblingsstrecke vieler Jogger. Überquert man die Südbrücke von West nach Ost, landet man auf den Pollerwiesen und genießt

a) einen weeiiiiiiiten Blick über rheine (ahahahaha!) Natur,
b) die Skyline von Dom und Co in der Ferne,
c) die entspannte Atmosphäre mit grillenden, chillenden Leuten.

Mitten in der Stadt hat man also Natur pur. Schade nur, dass der Rhein nicht zum Baden einlädt. Man will ja nicht unter eine Schiffsschraube kommen oder sich die Haut wegätzen.

Augsburg : Köln » 4 : 4

 

6. Falafel, Adana Spieß oder …
Was das hungrige Herz begehrt

Bekommt man unterwegs in Köln Hunger, kann man kaum etwas falsch machen, egal wo auch immer man einkehrt oder sich etwas auf die Hand mitnimmt. Wer Falafel liebt, landet womöglich bei Lebanon oder Habibi. In letzterem ist ein Standard-Falafel sogar für unglaubliche 1,80 Euro zu haben. Den vom Libanon fand ich aber leckerer: Endlich mal richtig knusprige Falafel-Bällchen!

Lebanon: Venloer Str. 446 | Habibi: Zülpicher Straße 28

 

Oder man gönnt sich einen Adana Spieß im Kebapland in Ehrenfeld. Die Institution dafür angeblich. Mit gutem Grund! Deswegen ist es da auch meistens rumsvoll. Kebapland wird von Böhmermann immer empfohlen und dürfte allen, die Neo Magazin Royale kennen, ein Begriff sein.

Kebapland: Venloer Str. 252

In Aux kann man aber auch gut essen. Ihr ahnt es schon:

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Gleichstand!

Das soll’s mit dem Vergleichen auch erst mal gewesen sein. Wie Ihr merkt: Ich mag Köln. Sehr. Und was ich mag, will ich nicht länger vergleichen. Das ist ja auch unfair; man ist dann mit dem Kopf und Herz nur halb bei der Sache. Lieber will ich es so annehmen, wie es ist. Punkt. Aus. Fertig.

Ach so, ja: Ein Dom steht da ja auch. Aber Ihr wisst ja, wie der aussieht, und weil ich eben privat unterwegs war, habe ich weniger Fotos geschossen, als wenn ich von Anfang an einen Blog-Artikel dazu im Hinterkopf gehabt hätte.

 

Anreise aus Augsburg

Mit dem ICE habe ich nur 4 Stunden ohne Umsteigen gebraucht. Sollten sich Fahrgemeinschaften bilden, immer her mit der Info! 😉 Isch abe ja kein Auto, wie Ihr wisst.

Köln Hauptbahnhof

 

 

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4 comments

Antworten

Das mit den Kiosken finde ich als Bayer in anderen Bundesländern auch immer geil.

Heut zum Beispiel wäre ich auf den Weg in mein Büro beinahe verhungert. Es war tatsächlich alles zu 😀

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… und ich hatte die stille Hoffnung gehegt, dass zumindest ein paar Bäckereien trotzdem offen haben. Stiller, süßer Widerstand, sozusagen.
An einem Feiertag soll man aber auch nicht ins Büro gehen – da spricht die Bayerin aus mir 😀

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Hey, hast du einen Blogbeitrag am Feiertag veröffentlicht oder ich 😛

Daheim müsst ich aufräumen. Es war reine Selbstschutzmaßnahme hierher zu fahren 😀

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Leider hat mein übermotivierter Spam-Filter wohl nie Urlaub, hab das eben noch rausgefischt …

Das ist natürlich das beste Argument, in die Arbeit zu gehen 😉

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