Das Schöne, wenn man an einem Freitag Abend alleine unterwegs ist (zu Teil 1 – Plan C als Plan A – geht es hier): Man kann seinen Impulsen ad hoc nachgeben und einfach seinem Bauchgefühl folgen. Bis der Magen knurrt. In diesem Fall hört man erst recht auf sich selbst. Auf dem Weg zum PowWow, weil mir plötzlich ein Erdbeershake als durchaus sinnvolles Abendessen in den Sinn kam, hörte ich sie plötzlich: Bässe, die auf Lungen klopfen, afrikanische Klänge, äußerst tanzbar. Mein kleiner Zeh zuckte im Chuck. Was’da los? Festival der Kulturen! (Manchmal müsste ich mich selbst abonnieren bei Facebook, damit ich nicht vergesse, was gerade alles Gutes los ist in Auxburg.) Ich folgte meiner Nase und Neugier und den Klängen, um mich kurz darauf in einer – sorry für die Schwülstigkeit, aber anders geht es nicht – anderen Welt zu finden. Der Annahof ist sonst nämlich kein Ort, an dem man wortwörtlich internationale Clubatmosphäre vermuten würde. Gestern steppten da aber Bären jeder Alters- und Gewichtsklasse in allen Fellfarben. Einige hatten sie sogar auf ihrem Kopf, zumindest die Damen von DakhaBrakha auf der Bühne. Politisch korrekt heißt diese Kopfbedeckung wohl „Papacha“.

Sicher kann ich an dieser Stelle ein Video einbinden und tue das auch, und sicher packt mich der Rhythmus heute wie gestern. Aber die Energie, die diese Band ausstrahlte und auf uns Zuschauer spür- und sichtbar überfließen ließ, war zu krass und lässt mich heute um Worte ringen. Sicher, die Lautstärke war manchmal kurz vor schmerzhaft und ließ mich kurz überlegen, ob meine Ohren das noch gut finden oder nicht. Zwei Damen älteren Alters guckten recht pikiert und hauten schnell ab, vorbei an dem älteren Herrn, der still stand – und genoss. Hinter mir zuckten Leute und ihre Handykameras.

Dakhabrakha: Und alle tanzen sie auf Kopfsteinpflaster.

Was mich so packte, war die Kombination aus tiefen, erdigen, stampfenden Rhythmen in genau dem Tempo, wie ich es am liebsten mag (ab ca. 3:15 im Video) und traditionell-fremden, folkloristischen Klängen. Ich mag es, wenn man ein bisschen Leid in der Stimme hört, weil mir solche Songs mehr Tiefe zuraunen als irgendein Schallallaa. Dazu mischten sich bis zu vierstimmiger Sprechgesang und Laute, als würden die Tiere aus dem Wald alle höchstpersönlich mitmusizieren. Meine Synapsen schreien begeistert alle „Hallo, neu!“ und sie tanzten, bis alles an mir tanzte, soweit das auf Kopfsteinpflaster und mit stoppenden Gummisohlen möglich ist. Shame on you, wer da ernsthaft stillstehen konnte! Der ältere Herr durfte das, der genoss offensichtlich innerlich und dachte sich vielleicht, die spinnen, die Auxburger.

Tanzen geht nur, wer genug Energie hat!
ODER: Lecker speisen bei „Karman führt zu Musik“

Natürlich muss man fürs rhythmische Herumhoppsen auch Energie in sich haben. Schlecht gelaunt geht tanzen schlecht, und mit hungrigem oder zu vollem Magen auch nicht. Wie gut, dass ich mich vorher bei „Karman führt zur Musik“ am indischen Teller satt-, aber nicht überfuttert hatte. Das war vermutlich sinnvoller als Plan A.

Fünf Mini-Portiönchen unterschiedlichster Farben und Konsistenzen zu einen Happen Reis, viel frischer Koriander, knackig zartes Brot mit Giraffenmuster – es war einfach alles köstlich. Leider, leider haben sie (noch) kein Restaurant in Auxburg. Ich bitte ich hiermit den Koch, der angeblich drüber nachdenkt: Mach eines auf, und wenn nicht, dann koch einfach für mich, das ist auch ok!

Pics or it didn’t happen!

Es gibt keine Beweisfoto, weil, ich musste ja essen. Es gibt auch keine Beweisfotos, weil, ich musste ja tanzen. (Das wird noch lustig auf dem Stereowald, aber weil ich in halbwegs offizieller Mission los bin, werde ich mich am Riemen reißen.) Am besten: Geht einfach selbst hin! Wenn Ihr da imstande seid, Euch mit Handykamerageknippse abzulenken, könnt Ihr die gerne mit #abgelenkt oder #miristphotographierenwichtigeralsetwasbewusstzugenießen taggen.

Inwiefern man Erinnerungen überhaupt fotografisch festhalten kann, frage ich mich übrigens in diesem Bericht.

Alle Infos in kompakt

Die Veranstaltungsseite von der Stadt Augsburg inkl. Programmheft-PDF
Wer schlau ist, stiefelt gleich los, es ist nur noch heute bis Mitternacht.

Aber, liebe Veranstalter: Warum, warum kein Pfand bei den Bechern? Ich hab so oft Plastik auf den Boden scheppern hören. Das verleidet den Musikgenuss, macht nasse Schuhe, ist bei beflipflopten Füßen nicht ungefährlich und passt nicht zum Gesamtkonzept.
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