Du hast heute den Start von Germany’s Next Topmodel 2017 verpasst? Kein Problem. Es ist absolut nachvollziehbar, dass man mit den drei Stunden Lebenszeit weitaus Sinnvolleres verbringt. Ein schönes Buch lesen, etwas Gutes kochen oder Sport machen. Ich verbringe die Donnerstag Abende ab sofort aber mit GNTM, Twitter-2nd-Screen und nenne das „Sozialstudie“. Natürlich bedeutet das konkret: Lästern. Dein Vorteil: Ich kann Dir die heutige Folge von #GNTM in wenigen Sätzen zusammenfassen. Denn viel mehr muss man dazu auch nicht sagen.

1. Heidis Stimme erreicht immer noch eine bedrohlich hohe Frequenz.

Dafür hat sie die Haare schön und ist mal wieder kaum gealtert. Sie ist bescheiden wie eh und je und trägt ein T-Shirt mit einem fetten „H“. Ob die alt bekannten Kollegen zu ihren Seiten, Thomas Hayo und Michael Michalsky, wegen Frau K. bereits ein Ohrenleiden haben, wurde auch heute in Folge 1 nicht geklärt. Vielleicht trägt Thomas H. aber deswegen immer diese Frisur.

 

2. Es gibt immer noch 2 Teams: Schwarz und Weiß.

Sie haben nicht mal spaßeshalber die Farben getauscht. Ich hätte zudem felsenfest damit gerechnet, dass während einer Fleisch-Beschau Jorge aus der Deko springt und „Du bist in mein Team: Rosa-Einhorn-Glitzer!“ schreit, aber nein. Graustufen sind überbewertet, dennoch versucht Heidi erfolgreich zweimal das Wort „Charakter“ unterzubringen und wird es die nächsten viereinhalb Folgen mitzuschleifen, bis heraus kommt, dass Charakter leider zuviel wiegt.

 

3. Von Nervensägen & Bitches

Eine mit Locken ist sehr cool, weil sie ja „eine Rapperin ist“, Skateboard fährt und ihre Mama anschnauzt. Zumindest hält sie sich deswegen für cool, wie man es mit 16 oder so eben noch macht. Eine andere hat eine riesige Wohnung, die 2348238408234982-trillionen-mal erwachsener ist als meine. Sie ist aber auch 16. Oder so. Eine uralte Frau (ungefähr mein Alter, nein, sogar jünger!) meinte, sie könnte mitmachen, weil sie so jung aussieht. Sie war halb so groß wie der Rest. Und eine Miss Irgendwas will als logisch nächsten Schritt natürlich Germany’s Next Topmodel werden, weil das so modellig ist, wie eine Miss Irgendwas eben nur sein kann. Ihr Gesicht war leider nicht mal ein Beauty-Gesicht – der Begriff, mit dem man immer die zu beruhigen versucht, deren Aussehen man binnen 3 Sekunden vergisst. Hübsch, aber … wovon haben wir eben gesprochen?

Es gab viel Geheule, noch mehr böse Blicke und eine Gesichtsentgleisung, von der bereits erste Bilder auf Twitter kursieren. Wenn du ein GIF von Dir im Internet kursieren haben willst, einfach zu #GNTM gehen!

 

4. Die Mädchen sind endlich mal normalgewichtig, haben Pickel und sind 165 cm groß!

Einen Versuch war’s wert.

Wir sehen nach wie vor sehr große, sehr dünne Mädchen mit langen, glatten Haaren. Ein Novum: Ein Mädchen war früher keins. Sie kommt sicher sehr weit, weil sie sehr hübsch ist und sehr viel sehr Androgynes mitbringt, das auf dem Laufsteg nach wie vor sehr gefragt ist. Ein asiatisches Mädchen hat rosa Haare. Und eines hatte ein Fieberbläschen, wofür es sich unfassbar geniert hat. Eines meinte, sich mit ihren Brüsten brüsten zu müssen. Brüste gibt es viele, tatsächlich an jedem Mädchen zwei, denn es müssen keine großen sein, damit man sie so nennen darf.

Wir haben 2017 nicht nur mit Gender_Gap zu tun, sondern auch mit diesem Gap-Ding zwischen den Oberschenkeln: Thigh Gap. Diese Luft zwischen den Beinen ist zur Zeit unfassbar in, und tatsächlich bringen die meisten Mädchen diese Veranlagung mit. Man kann das auch erreichen, in dem man sich auf die Zehenspitzen stellt und die Knie doll verdreht. Solche bösartigen Täuschungsmanöver kriegt Heidi aber schnell heraus und erreicht mit ihrer Frequenz dann Fledermäuse. Die brauchen sie aber sicher eh mal als Deko für einen Catwalk. #goth

Der wirkliche Schocker dieses Abends hieß aber natürlich nicht Transsexualität – sondern Achselhaar. Heidi Klum musste den kaum erkennbaren Flaum einer Teilnehmerin mikroskopisch genau analysieren und erkannte: Ja, bei einer Frau können da tatsächlich Haare wachsen. Bestimmt musste man Frau K. im Anschluss einen Papiertüte reichen – ob zum Kotzen oder gegen Hyperventilation ist nicht bekannt. Warum sind Körperhaare 2017 so ein Thema? Ach so, weil 2017 ist.

 

5. Weitergekommen sind:

Sehr große, sehr dünne Mädchen mit langen, glatten Haaren.

 

6. 2017 sind die Mädchen keine Objekte mehr.

Yay! Niemand spricht mehr von Mädchen als Objekten. Holy Shit: Michael Michalsky und Thomas Hayo setzen noch eins drauf, nein, drunter, und sprechen von „Projekten“. Sexismus byebye: Jetzt rütteln wir einfach mal noch tiefer, noch fester, direkt an der menschlichen Seele. Sie scheuen nicht mal davor zurück, die Mädchen, pardon, die Projekte mit dem Bau des Berliner Flughafens zu vergleichen. Die Mädchen fühlen sich dadurch auch noch geschmeichelt – in ihren Augen blitzt „Hihi, ich bin ein Projekt! Ein Rohdiamant, ein Schwanen-Baby!“ – und überhören wie despektierlich von ihnen gesprochen wird, weil ihre Wahrnehmung in diesem Moment nur auf Heidis erlösendes „Ich habe heute ein Ticket für dich“ fixiert ist.

Werden sie noch lächeln, wenn sie, die „Projekte“, demnächst beim Stylisten beim Projekt Umstyling den Projekt-Plan ihres Artdirectors erfüllen müssen? Ich bin ja immer noch für einen Pixie für die Locken-Frau. Obwohl sie so schöne Haare hat. Wer hundertmal einen auf Tomboy machen muss, der soll auch ’ne Jungsfrise erhalten.

 

Natürlich ist GNTM nur Fake, geskriptet und dient in erster Linie dazu, möglichst viel Werbung zu platzieren und irgendwie im Gespräch zu sein/bleiben, indem man möglichst viel Bullshit sendet. Aber es sehen offensichtlich junge Mädchen mit dem Victoria’s-Sectret-BH ihrer Mama über dem Mickey-Mouse-T-Shirt GNTM an – weil sie später unbedingt auch mitmachen wollen. Bitte: Zieht ihnen die Körbchen über die Augen, schneidet den zugehörigen Slip in zwei Stücke und stopft ihn den Kleinen in die Ohren. Denn, wie eine Teilnehmerin so schön über die Rosahaarige sagte: „Sie hat Mickey-Mouse-Ohren. Das ist genau, was sie ist.“ 

 

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