Ignorieren wir einfach mal das ganze Tamtam, das aktuell um GNTM gemacht wird (wir wissen doch ohnehin nicht, warum wir uns diesen Schrott überhaupt anschauen): Nicht alle Models sind mobbende Zicken und sie müssen auch nicht Size Zero tragen. Zumindest nicht, wenn sie auf der Fair Handels Messe in Augsburg modeln – die sind richtig, richtig nett. Woher ich das so sicher weiß? Weil ich da letztes Jahr selbst mitgemacht habe. Für die Messe im Juli werden jetzt wieder dringend Models gesucht – habt Ihr Lust?

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Fair Handels Messe?

Das ist genau, wonach es sich anhört – es geht um faire Angebote und Produkte, und eben auch Mode, Schmuck  und Accessoires. Sie findet am Freitag, 15.7. und Samstag, 16.7.2016 in der Kongresshalle in Augsburg statt.

Die Marken, die dort ausstellen, waren letztes Jahr u. a. Degree, die coole Skater-Marke aus Augsburg; sportlich-schlichte Shirts und Sweatshirts von 3 Freunde, zauberhafter Schmuck aus Indien von der Marke Kalakosh; der Augsburger  Secondhandladen Vintys.

Die Modenschau, auf der ein Großteil der Marken präsentiert werden, findet an beiden Tagen jeweils einmal statt.

 

Wer kann alles modeln?

Um auf der Fairhandelsmesse zu modeln, muss man folgende Kategorien erfüllen:

  • Man muss ein Mensch sein.
  • Man muss Bock drauf haben.

Das war’s! Es gibt keinerlei Beschränkung. 2015 war die Jüngste ungefähr vier Jahre alt, andere waren schon Oma. Männer, Frauen, Mädchen, Kleine, Große, Ruhige, Laute, Zarte, Harte – alles mit dabei. Das verbindende Element: Alle sind richtig nett. Es ist sogar ganz gern gesehen, wenn man ein spezieller Typ ist, damit das Publikum sieht: Faire Mode ist nicht nur was für Hippies.

Man muss nur etwas Zeit mitbringen, weil vier Übungs-Termine à ca. 3 Stunden angesetzt sind, zusätzlich zu den zwei Schauen auf der Messe (jeweils eine am Freitag und Samstag). Meldet Euch bei Christine Weiner vom Weltladen – die Kontaktdaten stehen ganz unten.

 

Hello Boobies!

Meine Erfahrung auf der Fair Handels Messe 2015 als „Model“
oder: So fühlt sich also ein Busenblitzer an.

Hätte mir jemand gesagt, dass ich jemals über einen Catwalk laufen würde, wäre ich aus dem Lachen nicht hinaus gekommen: Dafür bin ich definitiv zu klein, zu fett, zu alt. In Sitationen, in denen ich mich präsentieren soll, habe ich immer erst mal ziemlich Schiss. Wer kennt das nicht?

In den letzten Jahren habe ich aber immer mehr Lust darauf bekommen, meiner Komfortzone den Mittelfinger zu zeigen: Vor zwei Jahren begann ich mit dem Schauspieltraining beim Sensemble; vor dem ersten Mal war mir den halben Tag vor Aufregung schlecht. Erst einmal Blut geleckt lernte Impro-Methoden, Stimme und Körper bewusster einzusetzen und hatte natürlich auch mal einen Korken im Mund. Aber darum soll es jetzt nicht gehen:

Schauspiellehrerin Helga Schuster ist nämlich diejenige, die die Modenschau auf der Fair Handels Messe moderiert und choreographiert. Als sie uns bat, mitzumachen, dachte ich mir erst „Oh Gott!“ und später „Why not?“. Wir hatten die Schauspiel-Methoden ja eben für genau solche Situationen gelernt. Ich hatte dennoch Angst davor, dass die fairen Klamotten alle schreiend Orange, Oliv und/oder geblümt sind und ich mich darin nicht wohlfühle. Diese Sorge war aber zu 98% unberechtigt. Jeder bekam die Klamotten zugeteilt, die zu ihm auch passen; dafür mussten wir vorab nur unsere Kleidergrößen mitteilen, damit die Organisatorinnen entsprechend die Klamotten besorgen konnten – that’s it. Wenn Du eine 32 oder 46 hast, ist das eben so! Als die ganzen Sachen für uns bereit lagen – Shirts, Kleider, Strickjacken, Hoodies, Taschen, Tücher, Schmuck – stürzten wir uns wie die Tiere darauf.

Die Proben fanden im Kulturpark West statt und waren chaotisch, charmant und teilweise auch katastrophal: Wir liefen zu schnell, zu langsam und immer wieder ineinander hinein oder vom imaginären Catwalk hinunter. Vergaßen unsere privaten Klamotten, die wir dazu hätten kombinieren sollen, die Choreographie oder dass wir überhaupt dran waren. Wir sind eben keine Model-Models! Leider mutierte ich dennoch kurz zu Naomi Campbell, als man mir etwas Olives mit Rüschen und Blumen-Applikation entgegenstreckte: Niemals im Leben würde ich sowas tragen.

Bei den Accessoires durften wir uns dafür selbst überlegen, in welcher Form wir sie präsentieren: Ich band mein Strandtuch also als Kleid. Leider befanden sich wegen der Naomi-Sache meine Karmapunkte noch im Ungleichgewicht: Auf der Modenschau löste sich der Knoten im Nacken, das Kleid verwandelte sich zurück in das Strandtuch, das seinen Bestimmungsort auf dem Boden und nicht auf Brüsten sieht. Gerade noch so konnte ich es festhalten. Ich weiß nun also, wie sich ein Busenblitzer anfühlt und kann das Gejammere von Kim nachvollziehen. NICHT. Denn zum Glück trug ich zu allem ein schwarzes Tanktop; das Umziehen sollte ja schnell gehen. Es handelte sich also nur um einen Fastbusenblitzer. Aber ich bin ein Nicht-Model, und daher fühlte sich der wie ein ganzer an: Meine Augen, sie waren sicher tellergroß, trafen in vier ebenfalls geweitete aus dem Publikum. Was man dann tut? Weiterlaufen natürlich. Das haben wir bei Heidi und Helga ja gelernt. Attitjüüüüüüüüüd!

Abgesehen davon fühlt sich so eine Modenschau gar nicht schlimm an. Nervig sind nur die Fotografen, die ständig – blitz! – mit – blitz! – ihrer blöden – blitz! blitz! blitz! – Kamera – blitz! blitz! blitz! blitz! blitz!– auf einen halten. Sogar ein japanisches Fernsehteam war anwesend. Mit so viel Rummel hatten wir nun echt nicht gerechnet.

Natürlich haben wir auch Fehler gemacht, Teile der Choreo vergessen und liefen bei der ersten Schau so schnell, dass die Musik noch lief, von uns aber keiner mehr. Die zweite Modenschau am Samstag war dafür perfekt: Helga war voll des Lobes und wir voller Adrenalin und Sekt, weil nun ja, gewisse Klischees mussten selbst wir Nicht-Models natürlich erfüllen.

 

Come on!

Was das bringt?

Erfahrung natürlich! Man lernt neue nette Leute kennen und hat später Spannendes zu erzählen: Von Beinahe-Busenblitzern zum Beispiel. Und so eitel das reale Modelbusiness ist, so uneitel läuft es auf der Fair Handels Messe ab. Es geht wirklich relaxt zu. Natürlich herrscht backstage Hektik, da standen wir großen Modenschauen vermutlich in Nichts nach: Sitzt das Make-up, wer braucht alles noch komplett eines von Visagistin Thyra Templiner? Wo sind die beigen Chucks hin verschwunden – und wo ist Anna hin? Kann bitte noch jemand schnell das verknüllte T-Shirt bügeln, die Kette zumachen, bekommt jemand den blöden Reißverschluss auf? Dabei mussten wir während der Schauen noch dazu leise beim Umziehen sein, weil man im Foyer der Kongresshalle alles aus der Garderobe im Publikum gehört hätte. Ein Wunder, dass niemand in dem Gewühle seine Kleiderstange umgeschmissen hat …

Dass man von Helga viel lernt in Sachen Körperhaltung und -einsatz, war für mich bei den Übungsstunden keine Überraschung mehr – wer noch nie Derartiges gemacht hat, wird in den Übungsstunden stutzen und staunen. Und natürlich lernt man beim Modeln die unterschiedlichen fairen Klamotten-Marken kennen, auf die man sonst eventuell nie gestoßen wäre.

Geld gibt es fürs Modeln keines – aber ein nettes Geschenk am Schluss. Unbezahlbar sind aber das Kribbeln kurz vor der Schau und das Wissen danach, dass man den Trubel lässig überstanden hat: „Komfortzone? COME ON!“

 

Lust bekommen?

Dann meldet Euch bei Christine Weiner vom Weltladen Augsburg per E-Mail.
Der Flyer, dass Models gesucht sind, hängt sicher auch im Laden (Hinterer Lech 4, 86150 Augsburg).

Alle Infos zur Messe auf der offiziellen Seite.

Ich werde übrigens nicht mehr mitmachen. Nicht aus Angst vor dem nächsten Fastbusenblitzer, sondern weil ich eine andere Herausforderung suche und mir der zeitliche Aufwand dieses Jahr zu groß ist. 

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