Es begab sich zu einer Zeit – Frühling muss es gewesen sein – da fühlte sich der Osterhase schrecklich einsam. Zu lange hatte er kein Häschen gehabt. Abends saß der Osterhase allein auf seiner Couch, trank Milch aus seiner mint getupften Lieblingstasse und guckte seine Lieblingsserie. Oder er las ein Buch. Im Winter machte ihm das Alleinsein nichts aus: Alleine geht Winterschlaf besser. Wenn da neben einem jemand liegt, der einem die Decke wegzieht oder aus Versehen in den Bauch trampelt, ist es schnell aus mit dem süßen Traum. Also träumte der Osterhase von wilden Abenteuern in einer fernen Stadt.

Der Osterhase & seine wilden Abenteuer  in Auxburg

Die Leute in der Stadt sprachen gar merkwürdig – woisch. Viele Flüsse, Flüsschen und Bächlein flossen durch diese Stadt, worauf diese sehr stolz war. Der Osterhase baute sich ein Boot, um Augsburg zu erkunden. Er wurde schnell so bekannt wie ein bunter Hund, dass überall, naja, da, wo es noch gerade so erlaubt war, Plakate von ihm hingen. Manches Mal gesellte sich jemand zu ihm. Zusammen aßen sie Kässpatzen auf dem Deck. Aber eines Tages, da sah der Osterhase einen Wolf, der auf sein Boot springen wollte. Er hatte einen furchterregenden, orangen Fjällräven-Rucksack dabei, prall gefüllt, aber womit wohl nur? Toten Hasen? Der Osterhase bekam es mit der Angst zu tun. Er paddelte immer schneller und schneller, aber er hatte nicht mit dem Wolf gerechnet: Der konnte super hüpfen. Schwupps – schon saß er im Boot. Dem Osterhasen wurde schon ganz bange, da packte der Wolf Rosinensemmeln aus. Und Aprikosentaschen. Die besten der Stadt!

Sie freundeten sich an, bestiegen den schwindelerregend hohen Perlachturm und machten Selfies mit der wunderbaren Stadt im Hintergrund. In der Ferne konnte man sogar die Berge sehen. Unten am Rathausplatz war ein bisschen Halligalli, das man mit Sprechblasen auf dem Boden einzudämmen versuchte. Der Osterhase zuckte im Schlaf. Auf so komische Ideen kommt man eben nur im Traum, dachte er – und wachte auf.

 

Die schönsten Sachen erlebt man zu zweit, damit man mit wem darüber reden kann.

Er rieb sich den Sand aus den Augen und schmeckte noch die Rosinen im Mund. Sonnenstrahlen drangen in seine Winterhöhle. Der Frühling war da! Schnell war der Osterhase aus seinem Loch gesprungen, und kaum war er draußen, sah er sie überall: Pärchen. Bärchen-Pärchen, Fuchs-Pärchen, Dachs-Pärchen, alle hielten sie Pfötchen. Sie hopsten vergnügt in ihre Abenteuer oder lagen einfach so auf der Wiese herum. Allein geht das auch, dachte der Osterhase, aber dann kann man mit keinem drüber reden, wie lustig die Wolken nach Kakteen ausgesehen haben. Und niemand zupft einem das Gras aus dem Fell oder warnt einen, wenn sich eine Wespe heimlich auf den Po gesetzt hat.

„Ich will auch mal wieder jemands Pfote halten“, seufzte der Osterhase. Aber die Hasenmädchen, die eben aus den anderen Löchern gekrochen kamen, sahen so verstrubbelt und verknautscht aus. „Die lieber nicht!“ sagte der Osterhase und installierte Tinder auf seinem Handy.

 

Und wenn Dein Häschen gar keins ist?

Der Osterhase legte sich in der Flirt-App ruckzuck ein Profil an: Mit einem Foto und einem lustigen Text. Er stellte seinen Such-Radius auf „Wald“ ein. Nur doofe Häschen, er erkannte die Zerknautschten aus den Nachbarhöhlen wieder. Also nahm er „Stadt“ hinzu. Die lag ein Paar Kilometer neben dem Wald, hatte er sich mal von der Eule erzählen lassen. Dort gäbe es auch süße Häschen. Mehr so in Käfigen und wohl eher introvertiert, aber was will man machen.

Der Osterhase hatte schnell ein Match – mit einem Kätzchen! Zum Glück hatte er ein Profilfoto gewählt, auf dem seine Schlappohren kaum zu sehen waren. Sie flirteten ganz doll. Das Kätzchen wollte skypen, also borgte sich der Osterhase das Lexikon von der Eule und hing es an seine Ohren. Damit die nicht nach oben oder gar nach vorne fluppen. Die Katze wusste ja nicht, dass er der Osterhase war! Der Osterhase ging nämlich vorsichtig mit seinen Daten um, also hieß er auf Tinder einfach „Oster H.“. So falsch war das ja auch wieder nicht. Nach 50 Minuten Chat mit 48 Minuten Cybersex war das Kätzchen glücklich, und der Osterhase hatte übelst Ohrenweh. Sie verabredeten sich zu einem Date.

 

„Macht nichts, ich will schön sein.“

Als sie ausgemacht hatten, dass sie sich am Sonntag sehen würden, hörte der Osterhase auf zu essen. Niemand will einen Osterhasen mit Bauchansatz, sagte er sich. Weil sein Fell vom Winterschlaf noch ganz verstrubbelt war und große abgestoßene Fellbüschel noch überall festhingen, traf sich der Osterhase mit dem Igel.

„Lieber Igel, kämm mich mal ordentlich durch!“
„Das kann ich wohl machen, dann ist Dein Fell wieder schön, aber es wird wehtun.“
„Macht nichts, ich will schön sein.“

Mit einem strahlend glänzenden Fell und darunter ein paar kleinen Pflastern über Kreuz ging der Hase zu seinem Date. Er kaufte extra Blumen, einen schönen großen bunten Strauß für 20 Euro, das ganze Geld, das der Osterhase noch hatte. Aufgeregt wartete er am Treffpunkt. Er sah andere schöne Häschen; Füchschen und Kätzchen flanierten auch vorbei. Jedesmal zuckte er zusammen: Ob das schon sein Kätzchen war?

 

Ein Date des Grauens

Ein Kätzchen kam. Es war schön, aber irgendwie auch nicht. Online hatte es anders ausgesehen, aber egal. Der Osterhase streckte schnell den Rücken durch und den Po ein bisschen raus: Das macht schlank und betont den schönen Schwanz. Er war so aufgeregt, dass beide Ohren nach oben schellten.

Das Kätzchen blieb irritiert stehen. Und schrie los: Dass er ein Betrüger sei, ein Lügner und bestimmt auch ein Nichtsnutz. Voll fake! Wenn der Osterhase ihm den Blumenstrauß schon gereicht hätte, das Kätzchen hätte ihn damit erschlagen. Also weinte der Osterhase, weil es so peinlich und erniedrigend war und die Stellen unterm Fell immer noch weh taten. Die Katze schrie und wollte nicht aufhören zu schreien. Die Ohren des Osterhasen sanken nach unten, nach so weit unten, dass er nach dem Date sofort einen Termin beim Ohropraktiker würde ausmachen müssen. Beim Psychologen vermutlich auch. Die Katze schnaubte noch einmal verächtlich, sah zwei Meter weiter einen prächtigen rotgetigerten Kater vorbeistolzieren und sprang diesen an. Sie machten Kinder, mitten auf dem Rathausplatz, und der Osterhase versank in einer Lache aus eigenen Tränen, vermengt mit ein bisschen Blut. Wäre er doch nur im Wald geblieben, bei den süßen verknautschten Häschen.

Der Osterhase hatte ein mieses Date.

Schöne Osterhasentage Euch allen! Haltet die Ohren steif.

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