Felix Starck radelte ab dem Juni 2013 für ein Jahr um die Welt. Die Frage, die er sich zu Beginn der Reise stellt, ist keine geringere als: „Was ist der Sinn des Lebens?“ Immer mit im anfangs noch 58 Kilogramm schweren Gepäck – neben einer Riesenladung Optimismus – die Kamera. Gepäck wurde er im Lauf der Zeit los, den unbändigen Optimismus nicht, und die Kamera hat die ganze Zeit zum Glück durchgehalten.

Heraus kam ein 80minütiger Dokumentarfilm. Technisch perfekt? Nö. Macht aber nichts. Man hört den Wind über das Mikro knattern, manche Bilder wackeln, ein paar wenige Schnitte irritieren. Aber das macht den Film eben aus: Er ist authentisch. Felix spricht ungeniert in die Kamera, wie scheiße es ihm geht, ob und welche Konsistenz der Husten hat. Oder er freut sich wie ein Schnitzel, wenn er wieder mal eine Grenze passiert oder das erste mal nach etwas über 10.000 km Rückenwind hat. Wie geil, wie geil, wie geil ist das denn! Das kennen wir doch auch von uns: Wir lieben. Wir hassen. Das Dazwischen scheint oftmals wenig erwähnenswert.

Geile Scheiße!

In der Tat zählt der Film mehrere hundert „Geil“ und „Scheiße“, Dude’s ständiges „Fuck“ ist nichts dagegen. Aber da ist eben so viel geil: Diese unfassbare Gastfreundschaft, der Felix, anfangs noch von Fynn begleitet, überall auf der Welt begegnet – vor allen Dingen in Asien und Neuseeland. Das Gefühl der Freiheit – kein Alltag, keine Termine verpflichten einen zu irgendwas. Diese geilen Aussichten von mühsam erklommenen Bergen weit übers Land, um dann beim Abwärtskurven wieder abkühlen zu können (Temperaturen von 40°C waren keine Seltenheit). Wenn er nicht gleich direkt an den paradiesischsten Stränden ins Wasser gesprungen ist. Geil auch: die beeindruckende Architektur und Natur. Kilometerweit alleine, manchmal einsam. Etappenweise begleiten ihn (neue) Freunde, sein Vater, und schließlich auch die neue Freundin. Felix findet auf dieser Reise eben nicht nur (noch mehr) zu sich selbst, sondern auch die Liebe. Die – Überraschung! – gar nicht aus der Ferne stammt. Und er musste dazu nicht mal wie ich tindern!

Fürs Gefühl ist da viel geboten, wenn Felix seine eigenen Höhen und Tiefen erlebt und den Zuschauer unmittelbar daran teilhaben lässt. Ständig gibt es was zu lachen: Über sympathisch-schöne Szenen, über Felix’ trockenen Humor („Es gibt zwei Gegner für Radfahrer: Wind und Berge. Berge sind besser, irgendwann geht’s wieder runter.“). Kommentare direkt aus der Situation, aus der Emotion heraus, informative, aber nie lehrmeisterhafte Texte aus dem Off, der Sountrack von Strozzini (Last fm) und Mogli (seiner Freundin Selima Taibi – Soundcloud, Youtube) sorgt für viel Gefühl an den Stellen, an denen es „sonst nur schöne Bilder“ gegeben hätte.

Geschafft!

Wie äußern sich nun Felix’ Veränderungen? Die optischen sind nicht zu übersehen: Auf einmal ist da ein Bart, und der wächst und bleicht aus; die Haare werden länger und erinnern irgendwann an Bob Ross, das Gesicht wird schmaler und das Leuchten in den Augen tiefer. Es gibt nicht unbedingt „den einen Schlüsselmoment“, in dem man eine Veränderung bemerkt. Jedoch zum Ende, als er wieder nach Hause kommt, dachte ich mir dann doch: Wie fremd er da im ersten Moment wirkt. Fremder als in der Fremde. Was machst du in Herxheim, Du gehörst hinaus in die Welt! Das ist wohl auch der Sinn, den Felix für sich herausgefunden hat.

Die Vorführung im Thalia in Augsburg

Heute waren die leider einzigen Vorstellungen im Thalia in Augsburg, mit Felix zu Gast. Ein paar Informationen gab’s von ihm vorab: Über 700 Stunden Rohmaterial seinen es gewesen. Mit dem Trailer erreichte Felix die meisten Klicks auf youtube Deutschland innerhalb kürzester Zeit überhaupt, und das zu einem Zeitpunkt, an dem der eigentliche Film noch gar nicht fertig war. Das erwähnt Felix stolz, grinst, bleibt gleichzeitig aber bescheiden und macht klar, dass die sportliche Leistung seiner Reise nichts wäre, das man bewundern müsse – das Fahrrad wäre einfach Mittel zum Zweck gewesen. Wichtig war ihm: Die Reise, Menschen, Kulturen kennenlernen, seine Erlebnisse zu machen. Dass er das jetzt einer so breiten Masse zugänglich machen und ein paar Euros damit verdienen kann, scheint ihn ehrlich zu überraschen. Gleichzeitig betont er, dass er vor allen Dingen sich selbst treu bleiben will, auch beim – hoffentlich! – nächsten Film. Ich behaupte mal optimistisch: Das schafft er.

Weitere Informationen

In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist er noch unterwegs. Die ganzen Informationen, auch die Möglichkeit zur DVD-Bestellung findet Ihr auf Pedal the World. Ich hab mir meine vor Ort gleich noch gesichert. War ja reserviert, haha.

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