Habt Ihr was gemerkt? Ich hatte in den letzten Wochen Urlaub. Deswegen gab es hier regelmäßiger was zu lesen.

Hab ich davon was gemerkt? Durchaus, obwohl ich wider Erwarten doch nicht „richtig weggefahren“ bin. Hoch offiziell gesehen hatte ich also keinen Urlaub, weil „das muss man doch so“. Dennoch war mein Urlaub jetzt so, dass ich mich wieder total auf die Arbeit freue. Ich muss in den letzten drei Wochen etwas enorm richtig oder falsch gemacht haben.

Urlaub planen als professioneller Prokrastinateur

Nein, liebe Kollegen, Chefs oder Kunden, wenn Ihr das hier eventuell lesen solltet: Ihr müsst Euch auch zukünftig keine Sorgen machen. In der Arbeit plane ich gerne, und dass ich das kann, wisst Ihr auch. Aber in der Arbeit räume ich auch meinen Tisch jeden Abend auf. Und daheim … aber lassen wir das.

Ich hasse es privat so sehr, im Voraus zu planen: Woher soll ich Wochen – oder gar Monate – vorher wissen, ob ich am Tag X Lust auf Y habe? Ich habe deswegen sogar ein Konzert einer Lieblingsband sausen lassen, nur weil ich an dem Tag keine Lust auf sie hatte. Nein, nicht Notwist. Das wäre pure Blasphemie.

Am liebsten hätte ich es so wie früher: Ich gehe in die Schule, ärgere mich „nur“ mit Hausaufgaben und Exen herum und kann mich die ganze Schulzeit über auf die Ferien freuen. Wir werden wieder mit dem viel zu voll beladenen türkisen Tipo nach Italien oder Frankreich fahren. Organisiert by Mama. Ich muss mich um nichts kümmern, außer rechtzeitig meine CDs auf Kassette zu überspielen. Die 90er, wisst Ihr.

Privat leide ich an Aufschieberitis. Enorm. Ich verplane es sogar, meinen Urlaub rechtzeitig einzureichen. Mir kommt erst dann die Idee, wenn sich meine Augenringe in die unteren Hautschichten graben.  Ach, Urlaub, das wäre doch mal wieder sinnvoll! Chef, krieg ich? – Kriegst Du. – Zwei Wochen? – Mach doch drei. – Okay.

Chefs darf man nicht widersprechen. Nicht bei sowas. Angeblich setzt die Erholung ohnehin erst nach zwei Wochen ein. Und vielleicht war es auch eine Vorbeugungsmaßnahme, damit wir nicht wieder alle erst im März des darauf folgenden Jahres feststellen, dass ich noch 13 Tage Resturlaub abbauen muss.

 

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Von dem ursprünglichen Plan, der keiner war, oder doch, und der (noch) nicht realisiert wurde.

Ich wollte nach Hamburg. Inklusive einem Abstecher zu einer Freundin, die gerade auf Sylt wohnt, und mit ihr einen Tag nach Dänemark. Auf diese grandiose Idee kam ich an dem Tag, als ich an den Urlaub einreichte, also ungefähr eine Woche, bevor er losging.

Die Idee dazu hatte ich am Montag Vormittag. Eine neue Reisetasche und einen Hamburg-Führer kaufte ich am gleichen Tag. Ich fühlte mich wie jemand mit Cochones, ein richtiger Macher, yay!

Bei TK Maxx fand ich am Feierabend innerhalb weniger Minuten die perfekte Reisetasche-Rucksack-Trolley-Kombination, als hätte sie da nur für mich gehangen: Klein, handlich, schwarz mit Pünktchen. Urlaubsplanung, läuft bei mir! Ein Laden weiter der passende Reiseführer „Wo Hamburg am schönsten ist“*. Und einen leeren Moleskine in DIN A 6, weil es den Städte-Moleskine für Hamburg nur noch für 71,62 Euro auf Amazon gibt. (Ich beherrsche Reiseplanung nur in Papierform, will mir vorher meine Routen auf Karten malen, die Adressen, wo ich überall hinwill, schriftlich notieren und vor Ort dann alle Eintrittskarten und Ähnliches einkleben.) Ich war ja so motiviert!

Dachte ich.

Für einen Plan sorgen neue Reise-Sachen leider auch nciht

 

Mit dem Kauf von Reise-Utensilien ist es aber nicht getan. Das ist so wie beim Laufen: Laufschuhe laufen leider nicht ohne einen alleine los.  Das musste ich in den letzten zehn Tagen schmerzhaft feststellen. Ich habe in meinem Urlaub Hamburg also nicht gesehen. Auch nicht Sylt. Auch nicht Dänemark. Dafür hätte man ja planen müssen. Ich plante aber nicht beziehungsweise erst viel zu spät: Das Hotel erster Wahl war ausgebucht, das zweiter Wahl hat wegen eines Brandfalls geschlossen und in das dritter Wahl wollte ich nicht, nachdem ich eine schlechte Kritik auf Zeit-Online gelesen hatte. Airbnb – och, kein Bock. Und ob das mit Sylt klappen würde, erfuhr ich leider auch erst zu spät. Immer fein, wenn man sich auf Andere hinausreden kann. Natürlich lag es aber an mir.

Vermutlich ließ ich mich allzu leicht abbringen, weil ich gar keine Lust mehr auf all das hatte. Oder es ist (m)ein typisches Problem, Marke Generation Entscheidungsunfähig. Außerdem hatte ich ganz übersehen, dass man, wenn man spontan wegfahren will, leider auch nicht in den Genuss der Vorfreude kommt. Im Urlaub bestand ich aber plötzlich darauf, Vorfreude auf den Urlaub haben zu wollen. Außerdem wollte ich nich im Urlaub einen Tag mit Urlaubsplanung vergeuden. Ein inneres Stimmchen flüsterte mir AURYNs Inschrift zu, und ich war wieder aus dem Schneider. **

Ich sag’s doch: Ich kann privat einfach nicht planen. Lieber lasse ich mich von aktuellen Stimmungen und Vorlieben steuern.

 

Also nix mit Hamburg?

Doch doch, ich will da hin! Wirklich. Aber mit ordentlich Vorfreude. Also gedulde ich mich noch ein wenig. Und plane – irgendwann muss ich das ja lernen. Und ich muss noch einen Plan aushecken, wie ich es meinen Chefs schonend beibringe, dass ich im Herbst ein verlängertes Wochenende hätte. Du willst schon wieder Urlaub? Hattest du doch. – Ja, aber ich war zu blöd dafür, ich brauch nochmal einen.

Abgesehen bestätigte mir ein Freund, der es wissen muss, dass das Wetter in Hamburg eh egal ist, weil es da immer schön ist. Der Regen wäre dann eben nicht so warm.

 

„Wenn man im Urlaub nicht wegfährt,
ist es doch vergeudete Zeit.“

Das denkt sich vermutlich jeder – ich mir in den ersten Tagen auch. Ich war die ersten Tage fast permanent schlecht gelaunt, weil ich meine Urlaubsplanung so verbummelt hatte. Das Wetter war scheiße. Und passierte noch anderes, tendenziell Unschönes, das meine Zornesfalten wieder auf Vorurlaubs-Zustand brachte. Hätte man mich mit Grumpy Cat fotografiert, sie hätte neben mir sehr monalisamäßig ausgesehen.

Ich war kurz davor, in der Arbeit anzurufen und darum zu bitten, den Urlaub auf zwei Wochen einzustampfen. Dann las ich an einem Nachmittag im Schwimmbad – als es endlich, endlich warm genug dafür war – die aktuelle Spiegel Wissen. Das Thema: „Endlich Zeit!“. Und ein Hebel in meinem Hirn klappte in Zeitlupe um. Ich habe Zeit. Verdammt, warum stelle ich mich dann so grumpy an?

Ist nur genutzte Zeit sinnvoll verbrachte Zeit? Und wer definiert den Nutzen? Ist Freizeit nicht da, um mal wirklich frei zu haben – frei von all den Erwartungen, von denen anderer, aber auch von meinen eigenen? Wenn nicht im Urlaub, wann dann? Also schlief ich viel. Las. Schwamm. Traf Freunde. Hatte Dates, die keine waren. Ging ins Theater. Brachte endlich das Fahrrad zum Reparieren und schmiedete Ideen, wie ich es aufhübschen kann. Schrieb für den Blog, hing sicher ein bisschen zu viel im Internet herum. Ich machte mir viele Gedanken, erst noch über höchst Elementares wie „das nächste iPhone – welches Modell, welche Farbe und wann“ (mein 4S ist am abnippeln) und einen Tag später über das Leben an sich. Ich habe viel meditiert – dafür muss man nicht erst in ein Kloster fahren und Geld dafür ausgeben – und auf einmal gespürt: SO fühlt sich Entspannung also an. Hilfe. Chiropraktiker unnötig, wo sind da noch Knochen? Ich bin eine Katze in der Sonne. Ich bin eine Eidechse. Ich bin eine Schlange ohne Knochen. Ich bin das Gelbe vom Capri, das auf warmen Steinboden gefallen ist. Ich … wer bin ich?

Zudem ist im Sommer in Augsburg viel geboten: Das Hohe Friedensfest mit dem Taubenschlag und Festival der Kulturen, #killyourdreams im Glaspalast, Freiluftkino, die Werkschau der Design-Absolventen … Wer muss da noch wegfahren?

 

Das Gute, wenn man im Urlaub nicht wegfährt

Positive CO2-Bilanz. Zum Schönreden ist das prima! Und sonst natürlich auch.

Ich habe Geld gespart. Zumindest ein bisschen. So viel, wie ich im Urlaub außerhalb essen war (unter anderem in der Färberei), bin ich mir da nicht ganz sicher. Und trotz Nicht-Urlaub im Urlaub wollte ich mir natürlich ein teures Sommerparfum gönnen. Wenn das iPhone im September kommt, kann ich zuschlagen! Ich brauch ja auch eines, dessen Akku nicht nach vier Stunden Tschüss sagt, wenn ich dann im Hamburg ständig Googlemaps und Instagram brauche.

Ohne das Wegfahren und Planen-Müssen ist da plötzlich viel Raum für Entspannung: Kein Stau. Kein Pack-Stress. Kein Knobeln, wer den Gasherd in der Ferienwohnung anmachen muss, keine viel zu knapp bemessenen Frühstückszeiten vom Hotel. Einfach ausschlafen und gucken, was der Tag so bringt. Nicht mehr und nicht weniger.

Und ich habe viel gelesen. Das würde am Strand natürlich auch wunderbar gehen, wenn man von den Sonnencreme-Flecken am Einband und dem Sand im Bund mal absieht. Aber da wäre vermutlich kein Buchladen um die Ecke, wenn man sich einbildet, genau jetzt das Buch von Garance Doré haben zu wollen und die Neoliberalismus-Kritik von Byung Chul Han.

Als Single hatte ich den zusätzlichen Vorteil, ganz egoistisch immer einfach nur das, worauf ich Lust habe, machen zu können. Also auch fünf Zehen Knoblauch in die Spaghetti. An meinem Elektroherd. Ich hab kein Bock abzuspülen? Sieht ja keiner. Und dann doch. Ups.

 

Das Schlechte, wenn man im Urlaub nicht wegfährt

An einigen Tagen hatte ich hemmungslos schlechte Laune, weil ich „nichts tue“ und dann schlechte Laune wegen der schlechten Laune. Absolut schlechte Laune. Wenigstens war die dann gleich so schlecht, dass sie am nächsten Tag einfach wieder gut sein musste. Oder am übernächsten.

Und: An so einen „verdaddelten“ Urlaub werde ich im Dezember wenig Erinnerungen haben. Was habe ich im Sommer gemacht? Ich hatte da Urlaub?

Von daher sicher keine Lösung für jedes Jahr. Aber zum Rebooten mal außerordentlich angenehm und extrem stressfrei. Weil man den dann nur hat, wenn man ihn sich selbst macht. Und auf diese Person hat man zum Glück ja noch am einfachsten Einfluss.

 

Schlechte Laune im Urlaub. YAY. Not.

 

Total erholt?!

Hätte mich gestern nicht irgendwas mit dem Magen erwischt, wäre ich jetzt superduper relaxt. Und hätte schöne Fotos vom Instawalk #instauxx. Der fiel zum Glück wegen des Wassers nicht ins selbige; ich bin und war heute noch zu schlapp auf den Beinen dafür. Grumpy Cat hat sich vom Kopf in den Bauch verlagert. Irgendwas ist im Urlaub ja immer, was quasi beweist, dass das auch einer war!

Tatsächlich freue ich mich schon wieder richtig auf die Arbeit. Mal sehen, wie ich das morgen Früh sehe, wenn der Wecker klingelt.

 

*„Wo Hamburg am schönsten ist“ hätte mir dabei so unglaublich Lust auf Hamburg gemacht. Dabei ist das kein klassischer Reiseführer, weil kaum Bilder drin sind. Und schon gar keine Routen. Karin Baron macht mit ihren Schilderungen aber so unglaublich Lust auf Hamburg. Und selbst Hamburgians staunten, als ich dann fragte, ob sie auch das Gängeviertel empfehlen würden. – Das was?
**„Tu, was du willst“.

 

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2 comments

Antworten

Echt schade, dass Du Dir den Magen verdorben hast. Wäre mir eine Freude gewesen Dich kennenzulernen. Leider haben sich auch alle anderen Teilnehmer vom Instawalk abgemeldet (Hund krank, plötzlich Arbeiten, etc.), daher war meine Laune heute morgen auch nicht die Beste ?! 😤 Aber seis drum, eine exklusive Führung bekommt man ja auch nicht alle Tage. Und der Enthusiasmus vom Guide hat mein Mojo wieder auf Vordermann gebracht.
Ich wünsche Dir gute Besserung, einen fröhlichen Arbeitsstart und ein baldiges durchgeplantes Wochenende in HH-City. Tipp: Ich lass mich immer von secret escapes inspirieren, dann klappt die Urlaubsplanung ganz von allein. 😁

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Oh, Deinen Kommentar hab ich leider jetzt erst gesehen und Dir vorher schon eine E-Mail geschrieben 😉

Wie schön, dass sich der Guide nicht von seinem Enthusiasmus hat abbringen lassen! Und gut zu wissen, dass es die Führungen da jeden Sonntag gibt. Aber exklusiv ist natürlich nochmal besonderer. Das mit der Laune kann ich nachvollziehen. Vor allem, wenn man sich so lang drauf gefreut hat … 🙁

Dankeschön für Deine Wünsche! Bin schon gespannt, zu welcher Uhrzeit sich morgen das Urlaubsgefühl komplett verabschiedet. Der Magen hat sich zum Glück schon wieder einigermaßen beruhigt, also ein Infekt ist es immerhin nicht, puh. Secret Escapes kenne ich nur vom Namen her, da muss ich mal gucken!

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