Habt Ihr das Vertrauen in regelmäßig neuen Inhalt hier verloren? Bis auf mein  GNTM-Gelästere gab es in letzter Zeit leider wenig Neues. Grund dafür war die Auslastung in der Arbeit: Eine Deadline jagte die nächste, und ich war der Hase, auf den der Jäger zielte. Also sprang ich im Kreis, über viele Büsche und teilte meine Ressourcen so gut es ging ein, was eben hieß: weniger Zeit am Rechner privat verbringen. Erst, weil ich es so wollte (die Vernunft!); dann, weil ich es nicht mehr anders konnte (der Körper). Auf einmal wusste ich wieder, wie es sich anfühlt, wenn man abends heimkommt und einfach nur noch halbtot ins Bett fällt. Jetzt ist das Wildeste aber herum. Puh.

Der liebe Job & das Vertrauen in die Werbeagenturen

Wer in einer Werbe-/Design-Agentur arbeitet, darf das aktuell nicht mehr laut sagen. Laut der aktuellsten Forsa-Vertrauens-Studie halten „die Deutschen“ von Werbeagenturen extrem wenig.

Wir lasen das in der Frühstückspause in der Augsburger Allgemeinen (zum Artikel): Los ging es mit der Polizei und „Viel Vertrauen erhält der Arbeitgeber“. Wir protestierten nicht: Bei uns in der Agentur ist die Stimmung gut, die Chefs sind coole Typen. Es ging weiter, wie wenig Deutschland seinen Politikern vertraue. Wir grinsten ein wenig und witzelten, dass wir auf dem besten Weg Richtung Polizeistaat sind. Schwarzen Humor können wir nämlich. Am Schluss kam – ein Kollege las es laut vor –: „ … und am wenigsten vertrauen die Deutschen den Werbeagenturen.“ Uns verging das Lachen. Einer hustete eine Semmelbrösel aus, die den falschen Weg abwärts gewählt hatte. Es wurde so still, dass man nur noch aus der Ferne das Mausklicken eines Kollegen hörte. Ein Rabe auf unserem Dach krächzte.

Seitdem knabbere ich an dem Begriff des Vertrauens. In Zeiten von Fakenews etc. hat es der schwer. Sicher sind „die Medien“ oft „die Arschlöcher“. Die (und natürlich die bösen Werbeagenturen) können alles faken: Mit reißerischen Headlines zieht man die gewünschte Aufmerksamkeit auf sich, mit Photoshop mogelt man Photos so hin, wie man sie will, und auch mit Ton wird das bald möglich sein: Adobe arbeitet mit VoCo an einem „Photoshop für Stimmen“. Hast du eine Tonaufnahme, kannst du mit dieser Stimme dann jeden gewünschten Satz sagen lassen. Und ich dachte mir noch nach dem Sprechworkshop: Wow, die Stimme, das ist noch so ziemlich das letzte Individuelle, das jeder hat. Denkste.

Social Media kloppt Begriffen wie „Vertrauen“ nochmal eins drüber: Es geht vor allen Dingen um Inszenierung. Klar, dass das mit der Realität recht wenig gemein hat. Andererseits: Was ist Realität schon?

 

Vertrauen und andere Lebenswerte

Steht das Vertrauen auf dem Prüfstein? Was macht Vertrauen überhaupt aus?

Ich zog meinen Kopf schnell aus der „Meine Branche ist der Loser“-Schlinge und kam zu dem Schluss: Vertrauen ist etwas Aktives und beruht auf zwei Seiten. Der eine kann noch so ehrlich sein, wenn ihm der andere nicht glauben will.

Zu vertrauen heißt, sich fürs Vertrauen zu entscheiden. Nicht blind, naiv – aber man kann grundsätzlich dafür offen sein. Denn die Welt ist nicht per se scheiße. Wenn jemand lieber grundsätzlich misstrauisch sein will, wird er vermutlich auch Geschehnisse in sein Leben ziehen, die das bestätigen. Nennt es Gesetz der Resonanz oder selektive Wahrnehmung. Wir stehen selbst in der Verantwortung, wie wir die Welt wahrnehmen, auf sie reagieren und mit ihr interagieren. Ich könnte mich ewig über das Thema auslassen, vor allem, weil mich Social Media aktuell enorm ankotzt, aber bleiben wir lieber beim Positiven und orientieren uns doch einfach daran, was wirklich kluge Menschen gesagt haben, auch wenn es eine Weile her ist. Es ist deswegen nicht weniger aktuell.

Edel sei der Mensch, hilfreich und gut. Goethe.

 

Ein erfolgloses Date

Themenwechsel, zumindest so halb: Tinder kann – mal wieder – in den Müll. Nicht die besten Bilder, nicht die nettesten Konversationen können einem im Vorfeld verraten, wie ein Date wird. Ich hatte mal wieder eines, wollte Tinder nochmal eine Chance geben. Wir hatten einmal länger geschrieben und alles deutete darauf hin, dass wir uns super verstehen würden. Taten wir auch – so halb. Gefühlsmäßig war es leider fern von Tic Tac Toe. Der einzige Funken, der gesprungen ist, war der von seinem Feuerzeug Richtung Zigarette. „Stört es dich, wenn ich rauche?“ Nee. Ist eh schon egal.

Übrigens bin ich vor Wochen in den Tollsten überhaupt gelaufen, im Basic. Natürlich war ich zu feige, irgendwas zu sagen. Er leider auch. Wir guckten beide interessiert, ich zudem höchst irritiert, als ich ihn mitten im Obst stehen sah. Ich hatte mit Mangos gerechnet, aber nicht mit tollen Typen. Wir liefen uns wiederholt über den Weg, beim Käse und dann auch wieder an der Kasse. Schlussendlich standen wir direkt nebeneinander an der Ampel und liefen sogar zusammen in die Annastraße hinein. Ich flüchtete logischerweise in den Müller. Und ärgerte mich nachträglich natürlich unsäglich.

Wer bei Basic einen Zettel mit gezeichneter Personenbeschreibung hängen sehen hat: Der war von mir. Der Typ im Parka mit den Holzfällerschuhen und dem Bart, der sich lustige Pilze gekauft hat, hat sich leider nie gemeldet. Allerdings ein Freund, der meine Handschrift erkannte. Wenn Ihr von einem großen, dunkelhaarigen Typen eine ähnliche Story gehört haben solltet: Hier geht’s zum Kontaktformular!

 

 

Und trotzdem ein bisschen verliebt

Nach mindestens 6 Monaten Entscheidungsphase – wenn nicht sogar länger – habe ich mir vor zwei Wochen endlich ein neues iPhone besorgt. Mein 4S meckerte immer häufiger: Bitte lade mich neuuuuuu, neiiiiiiiin, diese App will ich nicht, und außerdem ist der Speicher bei jedem Foto voooollllll … sorry, Akku leer.

Mein Umfeld habe ich längst kirre gemacht: iPhone 7, ja oder nein? Lieber 6S? Groß oder klein? Und verdammt noch mal welche Farbe? Nach der Präsentation des iPhone 7 wollte ich sofort das Plus in Jetblack. Alle, auch und vor allem meine Kollegen, die Gauner aus der Werbebranche, riefen entsetzt: „Tu’s nicht!“ Zu viele Kinderkrankheiten würde es noch haben, zu kratzanfälig sein und zu appleig. Ich befasste mich ein wenig mit Android und stieß es von mir wie eine Katze, die auf Whiskas konditioniert ist. Da kommste nicht mit Kitkat gegen an, auch wenn das günstiger, sinnvoller und gesünder und alles wäre. Bäh. Mein Gesichtsausdruck ähnelt dann dem meiner hochgradig sympathisch-liebenswerten Nachbarskatze:

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Nachbarskatze AKA die einzige Katze auf Erden, die mich und mein Locken beharrlich ignoriert. Bitch!

Als ich das iPhone 7 Plus im Apple-Store zum ersten Mal in den Händen hielt, war ich fest überzeugt, es wäre kaputt: Drückte ich den Homebutton, wackelte das ganze Gehäuse. Zudem ließ sich die Portrait-Funktion nicht testen – Fail 1. Wie will man etwas verkaufen, wenn die Outstanding-Special-Lalala-Funktion noch gar nicht geht? Ein Apple-Verkäufer roch meine Unentschlossenheit. In einer Hand hielt ich das normale 7, in den anderen beiden das große Plus. Der große Apple-Mensch meinte freundlich: „Du hast ja ordentliche Hände, da passt das Plus doch!“ Ich ging. Keine Frau will hören, dass sie „ordentliche Hände hat“.

Weil ich ein Handy ordentlich mit einer bedienen können will und die Portrait-Funktion des Plus mich nicht überzeugt, ist es jetzt das kleine geworden. Natürlich im sexy Jetblack (zu deutsch unsexy „diamantschwarz“). Ein Freund meinte entsetzt: „Das verkratzt doch so!“ Jetzt ist er neidisch und hätte das selber lieber. Jetblack liegt tatsächlich besser in der Hand, weil es nicht so rutscht und auch nicht so metallisch-kalt ist. Wenn dann noch die sexy Taptic Engine zu schnurren beginnt, gucken iPhone-Besitzer verliebt in ihre (ordentlichen) Hände.

iPhone 7 in der wortwörtlichsten Handysocke der Welt
Die wortwörtlichste Handysocke der Welt: Ganz neu musste ich das iPhone erst mal in einem Söckchen mit mir herumtragen, weil ich die davor extra neu gekaufte Hülle verschusselt hatte.

 

Wie’s weitergeht?

Der Frühling lässt sich so langsam auch in Auxburg erspüren. Glücklich dahinschlendernde Pärchen streicheln Händchen, ich wenigstens frischverliebt mein Handy. Aber Tinder wischen will ich erst mal nicht mehr, und nicht nur, weil ich die Typen jetzt in Retina-Auflösung vor der Nase habe. Ich will die Taptic Engine der Typen spüren. Und das geht nur in echt.

In der Arbeit hat sich der Stress gelüftet; ich kann wieder durchatmen, auch beim Laufen. Ja, ich bin noch dran. Mehrere Artikel sind gedanklich in der Pipeline, einige eigentlich schon fast fertig. Kurzum: Es wird sich hier wieder was tun. Es sei denn, der Typ aus dem Basic meldet sich doch noch.

 

Wenn ich das Bild der Basic-Such-Anzeige finde – es fliegt noch auf dem alten iPhone herum – poste ich es noch nach :)

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2 comments

Antworten

Laut der aktuellsten Forsa-Vertrauens-Studie halten „die Deutschen“ von Werbeagenturen extrem wenig.

Tjaaaaaaa – warum bloß?
‚Advertising is legalized lying‘ – H. G. Wells

Vielleicht weiß die Katze ja, was du so machst? Und hat die neue Katzenfutterwerbung gesehen? Wer weiß? 😀
Und außerdem bist du verliebt in ein Telefon. Da würd ich auch so gucken.

Antworten

Es freut mich sehr, dass die Autoren von Kassandra immer noch hierher finden, obwohl sie offensichtlich ein Problem mit diesem Blog haben.

Wenn sie den Weg wieder rausfinden wollen: Da ist die Tür. Oder, wie Werber so schön sagen: „Come in and find out.“

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