CK One, das Unisex-Kultparfum aus den 90ern, bekommt 2016 passend zum Nineties-Revival einen Nachfolger: Seit einigen Tagen steht der neue Duft CK2 endlich auch in Augsburgs Parfumerien. Als ehemaliges CK-One-Mädchen (wer war keins in den 90ern?) war ich sehr gespannt auf den Neuling: Gibt es einen neuen Revoluzzer aus dem Hause Calvin Klein?
#TLDR Shortversion
CK 2 in aller Kürze
Die Duftnoten klingen vielversprechend für einen unerwarteten, modernen, urbanen Duft. Er ist im Gegenteil zu CK One nicht nur unisex, sondern genderfree.
Kopfnote: Wasabi, Mandarine, Veilchenblatt-Absolue
Herznote: nasses Kopfsteinpflaster (WTF?), Iris-Concrete, Rosenabsolue
Basisnote: Vetiver, Weihrauch, Sandelholz
Der Duft ist aufs Erste frisch und grün. Typisch für Calvin Klein, vereint er widersprüchliche Komponenten: Wärme und Kühle, Blubberblasen und ein Hauch Sirup.
Auf meiner Haut entwickelt sich CK 2 leider zu etwas Schwülschwerem, Künstlichen. Sehr schade, zumal ich sonst die Arbeiten der Calvin-Klein-Parfumeure Pascal Gaurin (Eternity Orchid) und Ann Gottlieb (Contradiction) so liebe.
Allemal der Flacon ist wirklich hübsch! Und macht sich auch prima als Weihnachtsgeschenk.
Teste den Duft am besten selbst.
Wenn Du eine wirklich frische, außergewöhnliche Alternative suchst, empfehle ich dir DKNY Energizing (EdT), auch ein wunderbar cooler Klassiker, der offiziell zwar ein Damenduft ist, aber auch herrlich androgyn und urban ist mit Tomatengrün, Birke, Zitrusnoten und Vodka.
CK2 – das neue CK One?
CK 2 – die Duftnoten
Die Ingredenzien klingen überraschend und spannend. CK2 müsste demnach großes Potenzial haben für einen unerwarteten, modernen, urbanen Duft:
Kopfnote: Wasabi, Mandarine, Veilchenblatt-Absolue
Herznote: nasses Kopfsteinpflaster (WTF?), Iris-Concrete, Rosenabsolue
Basisnote: Vetiver, Weihrauch, Sandelholz
Quelle: Parfumo.de
Die Anmutung soll synthetisch-frisch sein. 2016 reicht es für ein Parfum allerdings nicht mehr, unisex zu sein. Provozieren muss man heute anders! So ist CK2 gleich „genderfree“. Entsprechend die Werbung, die aber 2016 nicht wirklich provoziert mit viel Geknutsche und nackter Haut.
Kopfnoten / Erster Eindruck
Unmittelbar nach dem Sprühen wirkt CK2 angenehm frisch und grün. Auf dem Papierstreifen erinnert er mich an die Blubberblasen, die aufsteigen, gießt man Holundersirup mit Sprudelwasser auf. Es könnte ein ganz passabler Duft sein! Leider bleibt es dabei.
Auf meiner Haut entwickelt sich CK2 in der Herz- und Basisnote leider zu etwas Katastrophalem: Das ist kein frischer Regen auf Asphalt, sondern der schwüle Dampf, der danach aufsteigt; er ist teerschwer und geschwängert von Abgasen. Wir befinden uns in einem überhitzten New York, stecken irgendwo im Stau fest oder bekommen erst gar kein Taxi. Die Luft steht still. Innen- und Außentemperatur assimilieren sich, Schweißtropfen bahnen sich ihren Weg Richtung Augenbrauen. Es ist aber leider nicht das gute, natürliche, hautige Salz wie bei Calvin Kleins Reveal (das sie leider, leider vom Markt genommen haben), sondern eher Salz, das man aus Versehen in die Nase bekommt. Stechend. Unangenehm!
Ja, es hat etwas Calvinkleinesques, das CK2. Kühle und Wärme gleichzeitig vereinen, das beherrschen seine Macher nach wie vor; nur entsteht diesmal leider etwas Schwülschweres.
Ist es ein Geniestreich? Es hat definitiv einen eigenen Charakter. Mehr kann ich dazu leider nicht sagen, denn: Ich mag es nicht und bete, dass es sich nicht so durchsetzt wie damals CK One, als am Ende absolut jeder Mensch danach roch: egal ob Mädel oder Junge, Schüler oder Lehrer. Hatte das Kind CK One, klauten es sich die Eltern – und umgekehrt.
Wer hat CK 2 gemacht?
Umso enttäuschender, da die beiden Parfümeure von CK 2 eigentlich zwei der besten Calvin Klein Parfeure sind: Pascal Gaurin schuf mit Eternity Orchid die schönste Variante des Klassikers – blumig, holzig, überaus elegant und frisch. Ann Gottlieb kreierte unter anderem Contradiction, einen Duft, der seinem Namen wirklich alle Ehre machte und spannende Kontraste zwischen Eukalyptus, Hölzern, Birne und weißen Blüten erzählte. Wenn Du den irgendwo erwischst: Gönn Dir! So genial!
Wenigstens das Design stimmt.
Immerhin der Flakon ist wirklich hübsch: Ein raffiniertes, kleines Teil, in seinen Formen enorm reduziert. Es steht Kopf und hält damit wenigstens optisch sein Versprechen, der Nachfolger einer Parfum-Revolution zu sein.
Ein auxkvisiter Alternativ-Vorschlag
DKNY Energizing duftet in seiner Variante als Eau de Toilette sehr spritzig und eiskalt unterkühlt nach einem Platzregen im Sommer, von dem man sich nicht irritieren lässt, sondern weiter an seinem Sommer-Cocktail schlürft. Auf einer New Yorker Dachterrasse natürlich. Enthalten sind Tomatengrün, Birke und Wodka. Klingt komisch, riecht aber genau danach und ist deswegen wunderbar!