Einordnung steht kurz davor, zum Unwort des Jahres zu werden. Allemal von mir. Ich und meine 12 Archetypen springen bereits im Kreis! Daher nun die längst überfällige Einordnung der Einordnung. Achtung: Kann Spuren närrischer Satire enthalten.
Für Deine/meine Einordnung:Hi, hier Miriam. Kommunikationsdesignerin, Autorin, Sprachverliebte.Als vierfache Jungfrau habe ich schon als Kind gerne Überraschungseier-Figürchen und Parfum-Miniaturen in den obligatorischen Setzkasten eingeordnet.
Begriffsherkunft
Wofür steht einordnen laut Lexikon?
Was ist die ursprüngliche Bedeutung des Wortes, so gut und akribisch definiert, dass man sie schwarz auf weiß festgehalten hat? (Es ist nur zu geschickt, am Anfang einer Diskussion oder eines Essays wie diesem hier einen Blick ins Lexikon zu werfen um zu prüfen, ob man überhaupt vom selben Sachverhalt spricht. Ganz besonders heute, wo Sprache so ultimativ verwurschtelt wird.)
DUDEN
1 – ordnend in etwas [bereits Geordnetes] einfügen; in einer bestimmten Ordnung, an der entsprechenden, vorgesehenen Stelle unterbringen
2 a – in die richtige, in eine bestimmte Fahrspur wechseln
2 b – sich in eine vorhandene Ordnung, Umgebung gut einfügen, sich ihr anpassen
SYNONYME: sich anpassen, sich einfügen, sich eingliedern, sich einpassen
Die Bedeutung im DWDS ist ähnlich und deutlich länger. Um es kurz zu halten:
DWDS
sich (harmonisch) in ein Gesamtbild einfügen; sich in etwas Vorhandenes einfügen und einen harmonischen Gesamteindruck vermitteln, ergeben
Warum ich mir ausgerechnet das für meine Einordnung der Einordnung rausgepickt habe, erfährst Du noch! 🤭
… und noch viel mehr, wenn Du mir auf Substack folgst. (AKA meinen Newsletter abonnierst)
Einordnen in Aktion
Einordnen – das kennst Du schon, wenn Du einfach Deine getrocknete Wäsche zurückräumen musst.
Wenn ich mich so umhöre, ist das eine Arbeit, die keiner wirklich gerne mag. Bei mir liegt regelmäßig ein Stapel herum. Zum Glück habe ich keine Katze, sonst könnte ich das Zeug wieder neu zusammenklauben oder müsste es gleich wieder waschen. Ich schweife ab.
Um das Einordnen-Drama noch deutlicher zu machen: Stell Dir einen riesigen Apothekerschrank vor. Ungefähr so – Neurodingdongs kennen das!

Wenn Du in so einem gewaltigen Ding Dein Zeug zukünftig wieder vernünftig finden willst, musst Du die einzelnen Sachen fein säuberlich einsortieren und ablegen. Noch wichtiger: Du musst jedes einzelne Schublädelchen sauber etikettieren.
Moment mal! War da nicht was, dass wir heute kollektiv Schubladen hassen?
Warum sprechen derzeit alle über Einordnung?
Maßgeblich beigetragen zum Einordne-Hype hat das Interview mit Sven Höcke von Ben Berndt im Podcast Ungeskriptet.1
Ben wurde danach von obersten Stimmen der Politik und vom sogenannten Qualitätsjournalismus2 ordentlich zerfetzt: Das geht gaaaaaaar nicht, den Höcke einfach so stundenlang labern zu lassen! Das muss eingeordnet werden!!
Wenn Du Ungeskriptet echt nicht kennst: Ben hat den Anspruch, »die Schweiz der Podcasts« zu betreiben: Ben lädt jeden ein, spricht mit jedem und lässt sogar jeden ausreden. Dass er kein Journalist ist, betont er selbst immer wieder.
Diese Unart, jemandem aufmerksam zuzuhören, nie ins Wort zu fallen und dann auch noch weiterführende oder vertiefende Fragen zu stellen, ohne das Gegenüber zu grillen oder vorzuführen, wird immer wieder scharf kritisiert. Natürlich erst, wenn dem Kritiker der Gast nicht passt. Die Kritiker bezeichnen Ben dann als unfähig und naiv.
Der Wunsch nach Einordnung
Ben wurde vorgeworfen, im Höcke-Podcast zuuuuu neutral gewesen zu sein: Er hätte mindestens vorab ein Statement einblenden müssen.
Was hätte er da sagen müssen? »Hier ist die aktuelle Folge mit einem Super-Nazi. Bitte schalte jetzt wieder aus.«
Ben hat sich nach den Vorwürfen geäußert. Sein Tenor: Er geht davon aus, dass die Zuhörer selbst mündige Menschen sind. Dass sie sich selbst ein Bild machen können.
Das trauen nun Qualitätsjournalisten, Politiker und andere Obrigkeiten dem normalen Pups, pardon, der Plebs, dem Pöbel, dem Bürger, dem Mitglied des Proletariats, dem ____________ [weitere Schmähungen hier bitte eintragen] anscheinend nicht so zu.
Was die Wütenden womöglich nicht zugeben wollen: Eine Einordnung hätte es vor allem ihnen einfacher gemacht, Ben besser einzuordnen.🤭
Einordnung: (Wie) kann das klappen?
Mit dem Englischen wird es einfacher, da heißt sie simpel classification. Optimal – Klassifizierung verstehen doch auch wir Deutschen:
Wikipedia
Klassifizierung: das Zusammenfassen von Objekten zu Klassen
So, jetzt bitte alle mal die Lesebrille raussuchen.
Hopp hopp!
Ich warte …
Lesebrille aufgesetzt?
Ist die frisch geputzt?
Dann geh nochmal putzen …
Du findest das Tuch nicht? Nimm ein bisschen Spüli!
Jaaa, das mit dem Trocknen dauert ein bisschen. Ich kann warten!
Und jetzt guck bitte ganz genau hin:
Objekten
Von Menschen und komplexen Situationen steht da nix.
Und die sind ja ein bisschen mehr als ein verdammtes Objekt! Als tote Schmetterlinge, die man in gruseligen Schaukästen zusammenfasst. Als Bastel-Steinchen, die man nach dem Exzess mit den Kindern wieder seufzend in die einzelnen Döschen zurücksortiert.
Und dann soll EIN Mensch alleine einen anderen Menschen oder ein überbordendes gesellschaftlich-politisches Thema perfekt einordnen können? 🤪
Wir unterbrechen für einen lustigen Werbebanner
Kategorien-Kästchen bitte nur mit Archetypen!
Wenn Du schon irgendwas irgendwo einordnen magst, dann bitte nur mit Archetypen.
In diesem lustigen Baukasten-Set mit 12 Archetypen [Link zu meinem Substack] bekommst Du erste Infos:
➼ Wer die 12 Archis sind;
➼ Woran Du sie erkennst;
➼ Wie Du Dich selbst einordnen kannst.
für Menschen ab 0 Jahre. Kostenlos, aber Gold wert!

Oder schau mal direkt bei archetypich.de vorbei!
PS: So ne schicke Website kann ich auch für Dich machen
Wann Einordnung Sinn macht – und wann nicht
Du kannst (Dich und auch andere) supergern mit Archetypen »einordnen«. Ich nenne es lieber typisieren. Das empfehle ich Dir für Deinen Markenaufbau bzw. für Dein Business. Wenn Du hier regelmäßig liest, weißt Du auch, wieso.
Es geht dabei keineswegs um passive Bequemlichkeit und stupides Schubladendenken – denn schon das Commitment auf »nur« einen Archetyp ist alles andere als eine angenehme oder einfache Sache.
Hat man seinen Archetyp aber erst einmal entdeckt und ist er auch der richtige, dann gibt Dir diese Selbst-Einordnung absoluten WUMMS! Du wirst dadurch noch stärker – weil der Fokus auf Deiner Essenz liegt.
Das ist der riesengroße Unterschied zur medial/journalistisch/sozial geforderten Einordnung. Die macht kleiner – weil der Fokus auf der Reduktion liegt. Das Individuelle geht verloren, stattdessen schaut man nur noch auf die Überklammer: In welches Kistelchen kann ich das ablegen?
Und dann achte mal darauf, ob so eine vermeintlich Einordnung auch wirklich frei von subjektiver Wahrnehmung ist.
Die Sache mit der Schubladisierung
Normalerweise lässt sich kein Mensch gerne in eine Schublade stecken.
Ich brauch nur »Astrologie« sagen, und schon schimpft einer: »Haha, 12 Sternzeichen für 8 Milliarden Menschen – was für ein Scheiß!«
»Ich bin doch viel vielschichtiger«, beschweren sich andere. Sie haben ein bisschen hiervon, ein bisschen davon – Schubladen gehen da gar nicht, ohne dass man den Menschen mit der Kettensäge und dem Skalpell fein säuberlich zerstückeln muss!
Überaus menschenübliche Phänomene wie »Tageslaune« oder gar hormonelle Phasen im weiblichen Zyklus lasse ich mal außen vor, damit es nicht noch komplizierter wird.
Halten wir fest: Niemand will in Schubladen gesteckt werden. Seit Jahren kämpfen einige sogar explizit um Individualität, um Vielfalt. WEHE, Du sagst da irgendeinem: »Hey, Du bist ja ein __________!«
Und genau die brüllen jetzt nach Einordnung?
EXKURS:
Welchen Archetyp hat eigentlich die Einordnung?
Wo wir schon beim Absurden sind: Welchen Archetyp hat die Einordnung?
Ich sehe hier ein fieses Spannungsfeld aus dem HERRSCHER und JEDI (Jedermann):
Der HERRSCHER will Hand drauf haben. Klar. Er ist ja der König! Er regiert das Volk, er macht die Ansagen. Der König kann gut sein oder böse: Handle ich im Sinne meines Volkes – oder nur für meine eigenen Interessen?
Alleine schon der Wunsch, etwas einzuordnen und dadurch die Deutungshohheit3 zu erhalten, ist die absolute HERRSCHER-Dynamik. Hier geht es um Autorität, um Dominanz. Schlimmer noch: Jetzt wird nicht nur die Realität regiert, sondern über die Wahrnehmung und Interpretation. Man versucht, über den Geist des Menschen zu regieren. Aber ahämmm, man meint es ja nur gut …
Ist ja voll toll, wenn Menschen nie wieder selber denken müssen! 🫶
Weil der HERRSCHER nicht ohne eine zu regierende Menschenmasse herrschen kann, ist natürlich die Frage, welcher Archetyp die Masse ist. Da lande ich unmittelbar beim JEDERMANN. Was jetzt keinesfalls heißen soll, dass jeder JEDI ein schwanzbuckelnder Luschi ist – aber das Volk an sich hat die Charakteristik vom JEDERMANN: Hier gilt der Wunsch nach Gleichheit, nach Gleichwertigkeit, ja vielleicht sogar nach einer gewissen Konformität. Allen soll es gleich gut gehen.
Der JEDI lässt sich so lange alles gefallen und macht mit, wie es ihm gerecht vorkommt. Wenn nicht mehr, dann wird es spannend: Daraus erwächst aus dem JEDI ein Robin Hood. Ist es nicht verrückt: Ich habe vor einigen Wochen Ben ziemlich schnell als Beispiel für den JEDI genannt … So falsch kann das nicht gewesen sein!
Mehr in Sachen Ben & Branding kannst Du in meiner Markenanalyse ansehen:
Das Problem mit der »Einordnung«
Ich beobachte folgende Entwicklung in der Verwendung der Wörter:
Meinung ➳ Framing ➳ Einordnung
Das lässt sich auch an Google Trends erkennen:

Meinung war ein immer schon weit verbreitetes Wort in Deutschland und fuckt uns 2026 massiv ab. Können Sepp und Uschi nicht bitte mal ihr Maul halten? Gleichzeitig will jeder seine eigene Meinung haben und frei äußern können. Das ist wichtig.
Framing hat sich in den letzten Jahren immer mehr etabliert. Warum ausgerechnet zu Anfang Corona, sei mal dahingestellt. Erschrocken bin ich gerade darüber, wie diese Kurve gerade wieder hochschießt.
Einordnung hatte immer ein solides Grundrauschen und seit etwa einem halben Jahr eine deutlich vernehmbare steigende Tendenz.
Warum man das macht
Halten wir fest: Meinung ist uns allen wichtig, aber die Meinung von anderen oft zu nervig und platt. Deswegen hat dieser Begriff heute ein gewisses Geschmäckle.
Vor ein paar Jahren ging es los, dass man lieber vom »Framing« gesprochen hat, und das leider nicht nur beim NLP.4
framen: einer Aussage Leitplanken umschnallen, damit sie hoffentlich ganz genau so rüberkommt, wie man es selber wünscht
Ich habe selbst 16 Jahre lang in einer Werbeagentur gearbeitet, die den Anspruch hatte, total menschenfreundlich zu sein. Aber selbst da kamen im Lauf der letzten Jahre Kunden, aus denen in einem Meeting panisch platzte: »Wir müssen genau darauf achten, wie wir das framen!« Häh?! Das Projekt an sich war so ehrenwert, dass es ja wohl den meisten Impact hat, ganz simpel mit den wahren Fakten zu arbeiten!
Natürlich formuliere ich etwas anders – mit anderer Intention, bewusster, gezielter, orientierter –, wenn ich zum Beispiel eine Schokolade nun Kindern oder Erwachsenen verkaufen will. Für die Kids wird lieber der Spaß-Aspekt betont. Und für die Großen, wie toll die Öko-Bio-Tralala-Herkunft ist. Aber Schokolade ist und bleibt Schokolade. Ich kann Schokolade framen – aber ich kann aus ihr keine Gummibärchen machen.
Von vermeintlichen Autoritäten und unhinterfragten Hintergründen
Einordnen ist so, als würde ich auf die Schokolade deuten und sagen: »Das ist etwas Gesundes zum Essen!« Und wenn jetzt keiner widerspricht, habe ich die Bahn frei.
Ich werde die Bahn frei haben.
Denn wen bittet man überhaupt erst um Einordnungen?
Eine Autorität.
Wenn ich nun schon die Autorität habe, kann ich alles sagen! Und im schlimmsten und wahrscheinlichsten Fall glaubt man mir auch noch alles. Dann rennt der, der meine Einordnung wollte, schon während unseres Gesprächs zum Edeka und kauft das komplette Milka-Regal leer. Jetzt kennt er gar nicht meine Hintergedanken und woher die Einordnung kommt: »Schokolade hat vergleichsweise echt viel Magnesium, deswegen ist es schlauer, die zu naschen als Gummibärchen. Am besten möglichst naturbelassene, reine Schokolade.«
Hätte mich der Mensch statt um eine Einordnung simpel um meine Meinung gefragt, hätten wir nur diskutiert. Es wäre von Vorhinein klar gewesen, dass meine Aussage keineswegs stimmen muss. Dass sie nur meine subjektive Wahrnehmung ist.
Wer einordnen darf, hat die Deutungshohheit.
Wen man einordnen lässt, dem überträgt man sie.
Das ist es, was die verdammte Einordnerei so scheißgefährlich macht. Und deswegen feiere ich Ben, dass er sich weigert, das zu machen. ✌︎

Warum Einordnungen Meinungen im Schafspelz sind
Das Gefährlichste ist, wenn Menschen meinen, sie würden es wirklich wissen.
Wenn sie ihr Gedankengut formulieren, weitergeben und es ihnen auch noch unreflektiert abgekauft wird.
Wenn sich jemand an ihren mentalen Rockzipfel hängt, weil sie gar keine Lust (oder es am Ende gar nie gelernt) haben, selber zu denken.
Wenn eine Aussage in einer Länge von 120 Zeichen reicht, dass man meint, da stünde schon alles drin.
Wir haben gelernt, kurz zu formulieren – und noch kürzer zu denken.
Das gilt lustigerweise für Wissenschaftshörige ebenso wie für Esoschwurbeldiduuu. Hier darf sich absolut jeder Mensch an der eigenen Nase packen. Hinter jeder Aussage steckt eine urpersönliche, subjektive Perspektive und somit Färbung. Ich kenne kaum einen Menschen, der davon frei ist.
Am Ende ist eine Einordnung meist nur eine Meinung – die sich ein seriöseres, fein säuberlich gebügeltes, mausgraues Mäntelchen übergezogen hat. Du hältst es für 100 % Schurwolle, aber auf den genaueren Blick ist es einfach nur Polyester. Bäh! Da hättest Du genauso gut gleich Dein geliebtes buntes Baumwoll-Shirt anbehalten können! Und das hätte Dir besser gestanden.
Was wir statt Einordnung brauchen
In der Flut von Informationen ist man heute natürlich schnell verloren. Dann wünscht man sich Hilfe von außen. Aber ist es wirklich Einordnung, die dann hilft?
Schwierig wird es meistens doch erst dann, wenn einem die Hälfte an Informationen fehlt. Wenn man zu wenig weiß – oder sich schlichtweg nicht auskennt.
Das ging mir bei meinem Bio-Abi so. Bei einer Aufgabenstellung konnte ich nicht abschätzen: Ist das jetzt noch Verhaltenspsychologie – oder doch schon Vererbung? Wegen meiner falschen Einordnung habe ich am Schluss nur eine Vier bekommen.
Hätte mit eine Einordnung geholfen? Ja klar, absolut: Wenn einfach drüber gestanden wäre: Aufgabe 4 – Verhaltenpsychologie. Zack, Note zwei!
Es geht aber auch anders und ohne, dass man den Rezipienten bevormunden und es ihm zuuuuu leicht machen muss: Mit Kontext. Mehr Kontext. Mit mehr Informationen, die zur Themenstellung passen.
»Mehr Informationen« hat sie gesagt. Ohgott! Igitt!
Jaaaaaa, ich will mehr davon! Und nein, nicht so, dass wir deswegen den kompletten mentalen Overload erleiden. Ich bin diese kranke Informationsgesellschaft doch auch leid. Diesen Part habe ich aus diesem Essay wieder entfernt, sonst wäre es zu lang geworden. To be continued!
»Einordnung« gone wrong
Erinnerst Du Dich an den Einstieg mit dem Duden?
DUDEN
1 – ordnend in etwas [bereits Geordnetes] einfügen; in einer bestimmten Ordnung, an der entsprechenden, vorgesehenen Stelle unterbringen
2 a – in die richtige, in eine bestimmte Fahrspur wechseln
2 b – sich in eine vorhandene Ordnung, Umgebung gut einfügen, sich ihr anpassen
SYNONYME: sich anpassen, sich einfügen, sich eingliedern, sich einpassen
Ich habe das dumpfe Gefühl, dass so, wie viele Menschen heute einordnen wollen, sie dabei leider gar nicht mehr viel an die Bedeutung von Punkt 1 denken.
Die Einordnung dient womöglich mittlerweile vielmehr dazu – siehe 2 a und b – zu zeigen, dass man auf der richtigen Spur ist. (Was auch immer dieses »richtig« ist.)
Virtue Signalling5 ist nunmal ein Ding. Vieles ist heute Fake. Und zwar leider nicht das, was auf den ersten Blick für Fake gehalten wird.
Und schnell landen wir da, was die Synonyme von »Einordnen« so viel ehrlicher offenbaren: Mit der vermeintlichen Einordnung passt man sich an; man fügt sich ein. Eine vermeintlich richtige Einordnung zu Beginn macht klar: Ich steh auf der richtigen Seite. Nur deswegen darf ich Nachfolgendes überhaupt erst sagen. Schweiß von der Stirn wisch!
Kann man machen. Hab ich auch mal prophylaktisch bei einem heiklen Thema gemacht, um zu vermeiden, sofort ins Nazi-Nazi-Rechts-Kistchen gestopft zu werden.
Besser ist es jedoch, dem Leser selbst die Interpretation zu lassen – denn das ist eine Einordnung heute doch am Ende, Butter bei die Fische! Zumal Du Dich nie in den Kopf eines anderen Menschen setzen kannst, ist es vermutlich sogar die einzige Möglichkeit. Lass die Zügel los, gib die Kontrolle ab, lass den Versuch, etwas für den Leser einzuordnen. Er wird es ohnehin immer tun.
Er sollte es bitte immer tun.
Wir brauchen haarscharfe Einordnung, die wir selber machen!
Im Deutschen hält sich seit dem Persönlichkeitsentwicklung-Hype das olle »Ohne Wertung!«. Verurteilen tut man heute nix, nicht mal die, die es formaljuristisch bräuchten. Beurteilen am besten auch nicht.
Aber das ist Quatsch.
Wir müssen als Menschen von Natur aus fein unterscheiden können, wenn wir überlebensfähig sein wollen: Ist das in dem Gurken-Glas jetzt schon schwarzer Schimmel oder doch nur ein Schatten?
Und 2026 natürlich auch: Ist dieser Text, ist dieses Bild KI-generiert? Könnte es sein, dass diese weitergeleitete Nachricht im Messenger nur Fake ist?
Weil es sich hier sprachlich tatsächlich mit dem Englischen deutlicher darstellen lässt: Beurteilen hat nicht automatisch was mit judging zu tun. Es ist vielmehr discernment.6
Dieses feine Urteilsvermögen erhalten wir uns als Spezies aber nicht, wenn wir die Einordnung nach außen abgeben.
Wir müssen sie selber machen.
Oder können sie auch gerne einfach wortwörtlich sein lassen.
Suche Dir das Video bei Interesse bitte selbst raus, ich verlinke hier nur zu Bends Podcast an sich: https://www.youtube.com/@ben_ungeskriptet
Hör Dir lieber die Gespräche mit Oliver Ruppel an, davon hast Du mehr!
In Differenzierung zum Boulevardjournalismus, vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Qualit%C3%A4tsjournalismus
https://de.wikipedia.org/wiki/Deutungshoheit: »Mit Deutungshoheit (…) bezeichnet man das von einer Person oder Institution beanspruchte Recht oder die Macht, etwas „deuten“ – und damit werten – zu können oder zu dürfen.[1] (…) Der Wortteil „Hoheit“ impliziert hierbei eine ihr innewohnende Autorität, die Voraussetzung für ihre Akzeptanz ist.
Neurolinguistisches Programmieren. Mit gezielter Kommunikation und Übungen kannt die eigene und fremde Wahrnehmung effektiv beeinflusst werden. Framing ist im NLP eine beliebte, praktische Übung, mit der man zum Beispiel unschöne Erlebnisse im Unterbewusstsein überschreiben kann.
Mehr Informationen siehe: https://www.landsiedel-seminare.de/nlp/was-ist-nlp.html
Kurz gesagt ist Virtue Signalling »Viel Blabla und nix dahinter«.
Mehr zu diesem Thema hab eich in meinem Blogazine geschrieben:
https://auxkvisit.de/virtue-signalling-frieden-leben/
Feines Unterscheidungsvermögen, vgl. https://www.beafriar.org/post/what-is-discernment