Von Augsburg hat man es nicht weit nach München, ins Allgäu oder Altmühltal – alles schöne Ziele für einen Ausflug. Dabei gibt es gar nicht so viel weiter weg ein charmantes Städtchen, das einen glauben lässt, man befände sich schon in Italien. Es kuschelt sich in die Nähe Österreichs (alleine schon deswegen muss es einfach toll sein), bietet einen herrlichen Blick in die Berge und ist so hübsch wie Salzburg, nur in bunt: Wasserburg am Inn. 

Wasserburg am Inn –  klein, fein & gar nicht sooo weit weg

Mit dem Zug braucht man von Augsburg circa zwei Stunden – es ginge noch schneller, hätte man am Hauptbahnhof in München nicht eine halbe Stunde zum Umsteigen. Aber die ist berechtigt: Von Gleis X inmitten des HBFs latscht man gefühlt 20 Minuten zum Gleis Y gaaaaanz außen, so weit draußen, dass er nicht mehr überdacht ist. Für einen Auxburger, der von kurzen Strecken verwöhnt ist, ist das erwähnenswert. (Soeben habe ich gesehen, dass man auch über Pasing oder den Ostbahnhof fahren kann. Wer nicht weit laufen will, nimmt lieber so eine Verbindung.)

Die erste Zugfahrt irgendwohin ist natürlich immer die Spannendste – vor allem, wenn die Landschaft so schön ist: Es geht durch Wälder und über sanfte Hügel. Von meiner Reiselektüre schaffte ich mit Mühe und Not die ersten drei Seiten. In der letzten Etappe Richtung Wasserburg hupt der Zug prophylaktisch vor jeder Kurve. Ich dachte erst, dass etwas im Getriebe diesen Lärm verursacht und uns der Zug jeden Moment um die Ohren fliegt. Die Wände des Zugs waren in Rosa getüncht, als wolle er einen bereits auf das farbenfrohe Wasserburg einstimmen.

Von einem -ing geht es ins nächste: Grafing, Steinhöring, Tulling, Forsting, Edling, Wasserburg am Ing. Jetzt aber schnell aussteigen! Ich besuchte eine Freundin, die mich mich zu sich eingeladen und aufs Kuahgartn gelockt hatte. Den Bericht zum Festival könnt Ihr hier lesen. Auch Wasserburg hat einiges zu bieten, dass ich während meines kurzen Besuchs versucht war, über wasserburxkvisit statt auxkvisit nachzudenken.

 

Salzburg in Bunt

Mit knapp 13.000 Einwohnern ist Wasserburg eine Stadt, über die zumindest rein größentechnisch selbst Auxburger die Nase rümpfen könnten: Ja, das ist schon eher klein. Aber viel Stadt hat in dem Knick vom Inn eben auch nicht Platz. Dafür ist da drin alles schön.

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Schmiegt sich direkt in den Inn – die Landzunge, auf der sich Wasserburgs Altstadt befindet.

Superviel geboten ist in Wasserburg für junge Leute laut meiner Freundin eher nicht so. Dafür hat man es in Wasserburg mit Kunst, besonders der Marke „Hippie“ anstatt „Hipster“. Tatsächlich scheint sich Wasserburg am Inn als liebgewonnener Ort für Hippies in Rente etabliert zu haben: Nirgendwo sieht man so viele ältere Herren mit Pferdeschwanz. In Wasserburg sollen viele Künstler wohnen.

Wenn man sich von der Erwartung freigemacht hat, in Wasserburg einen auf durchgetanzte Clubnächte machen zu wollen, kann man die Stadt einfach so genießen, wie sie ist: Hübsch, sehr gepflegt – für mein Empfinden manchmal schon fast zu –, ruhig und wortwörtlich beschaulich. Die Lage im tiefsten Süden ist unverkennbar; die Architektur mutet italienisch an und die Flora ebenso. Man spaziert herum, macht Ooooh! und Aaaah! und die Kamera ohne Unterbrechung Klick!.

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Auxkvisite Wasserburg-Tipps

Supported by Auxkvisits Freundin. Ohne Local (ortskundige Einwohner) könnte man in Wasserburg ein bisschen aufgeschmissen sein – wobei die Leute in Wasserburg so herzlich und offen sind, dass sie einem bestimmt auch so verraten, wo es den besten Kuchen gibt und wie man zum schönsten Aussichtspunkt kommt. Ja, ich habe es mal wieder gespürt: Bayern entspricht mir im tiefsten Herzen doch mehr als Augsburg. Wo die Wurzeln her stammen, lässt sich selbst nach Jahrzehnten Abwesenheit nicht leugnen.

 

Die Backstube

Hier gibt es den besten Kaffee und Kuchen. Der Kaffee stammt aus der Rösterei gegenüber, Deliano. Sehr zu empfehlen: Die Sorte „Durchblick“ mit leicht walnussiger Note. Den Kaffee kann man in der Backstube auch kaufen, sofern man sich für eine der hübschen, handgestempelten Verpackungen entscheiden kann. Die Kuchen sind alle lecker, besonders empfehlenswert ist der Dinkel-Zwetschgendatschi. Zugegeben, für den Boden bräuchte man ein Steakmesser. Aber der Datschi ist der weltbeste, den ich jemals hatte. Auch das Frühstück war sehr fein und kann je nach Gusto individualisiert werden (z. B. Dinkel-Croissant anstelle eines normalen). Achtung: Bei schönem Wetter bekommt man draußen nur noch schwer einen Platz und kann dann auch nicht reservieren; an den Tischchen mitten auf dem Platz schmeckt der Kuchen aber ebensogut, das läuft dann aber unter Selbstbedienung.

Wasserburger Backstube, Hofstatt 13, 08071 921721 / wasserburger-backstube.de
Kaffeerösterei Deliano auf Facebook

Endlich wieder reinhauen!
Frühstück in der Backstube

 

Ein Blick über die Dächer Wasserburgs

Ein typischer Touri steuert erst mal die Kirche an. Ein neugieriger Touri erklimmt die Treppe links dahinter: Die führt gefühlt himmelaufwärts. Wer schnaufend oben angekommen ist, kann seinen Blick dann aber weit schweifen lassen: Er reicht weit über die Dächer Wasserburgs bishin zu den eingrenzenden Wäldern. Bevor man vor Neid für die Dachterrassen-Besitzer stirbt, sucht man schnell wieder den Weg abwärts, der durch ein kleines Treppen-Labyrinth vorbei üppig wuchernden Gärten führt. (Das war der Moment, als ich kurz über wasserburxkvisit nachdachte. Aber die Mieten dort sind fast noch schlimmer als hier. Also keine Angst, ich bleibe Euch erhalten ;))

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Der Fluss mit dem auxkvisiten Farbton

Der Inn hat eine gar merkwürdige Farbe: Mal mint, mal graün. Ich finde ihn bezaubernd und wunderbar beruhigend. Außerdem ist er besser zugänglich als hier bei uns der Lech: Einfach dasitzen und in den Fluss starren? Geht in Wasserburg prima, ohne dass man eine Böschung halb hinabstürzen muss. Mit etwas Glück spült es sogar Sandbänke an. Habe ich je erwähnt, dass ich niemals in einer Stadt ohne Fluss leben könnte? Da nehme ich sogar lieber Hochwasser in Kauf.

Von der Brücke aus hat man einen guten Überblick über die Altstadt und könnte wieder tausend Tode sterben, wenn man die tausend Balkone sieht. Es muss schon echt schön sein, dort zu leben. Irgendwann ganz viel später vielleicht mal …

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Boarisch-Italienische Architektur

Wer in Wasserburg ist, kann sich einfach durch die Altstadt treiben lassen – es gibt überall charmante Ecken zu entdecken. Das bezaubernde Städtchen spart nicht an Farben. Ein Ausflug im Winter könnte sich daher ganz besonders lohnen. Nur das Pflaster muss dann besonders rutschig sein. Die Chucks lassen wir dann lieber daheim!

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So ganz hübsch, soll im Winter aber für den einen oder anderen Ausrutscher sorgen, das gemusterte Pflaster.

 

Fazit

Wasserburg am Inn habe ich sicherlich nicht zum letzten Mal gesehen. Vor allem „Wasserburg Leuchtet“ soll sich lohnen, wenn die Gebäude nachts phantasievoll bestrahlt werden. ➳ Galerie von Wasserburg Leuchtet
Leider“ fand dieses Jahr zeitgleich das Augsburger Kunst-Festival Asche zu Farbgut statt, sonst hätte ich mir das gerne mal live angesehen. Aber so viel anderes soll sich ja auch lohnen: Der Weihnachtsmarkt oder die Wanderwege. Auch von der Innenstadt habe ich längst nicht alles gesehen und viel zu viele kleine Lädchen nur von außen. Ob es in ihnen zu bunt zugeht wie außen? Wir werden sehen.

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