„Neurodings? Divers? SCHON WIEDER? Was ist das überhaupt? Kann das nicht weg?“ Ich sag ganz frech: „JA!“ Und trotzdem schmückt in der Neurodiversity Celebration Week ein schön abgesofteter Regenbogen das Auxkvisit-Logo.
Neurodings, Neurodongs oder einfach Neurospicy – oder zu miriamdeutsch „vielfühlig“ – sind heute verdammt viele. Ich verwende meine Begriffe mit dem allerhöchsten Respekt, um sie zu entschärfen. Was bei Spicy nicht einer gewissen Ironie entbehrt!
Aber wie sexy klingt denn bitte die offizielle Nomenklatur: hochsensibel, ADHS, ADS, Asperger, Scanner, mental hocheffizient, Polymath, „aus dem Spektrum“ und was es nicht alles gibt …!
Mein erster Artikel dazu hat auf LinkedIn, freundlich gesagt, Wellen geschlagen. Beziehungsweise haben mich ein paar Hypersensible entgegen ihrer sonst so zarten Art überraschend grün und blau geschlagen. Ja sogar Ableismus1 unterstellt, was so ziemlich das Dümmste überhaupt ist und zeigt, dass mich diese Leute null kennen.
Und dennoch riskiere es schon wieder: Denn ich halte nichts von einem
„Mimimi buhu ich bin soooooo _______, und deswegen kann ich nicht ________“
(Fülle hier Deine Bezeichnung und Dein vermeintliches Defizit ein.)
Mir liegt nämlich vor allem an Selbstermächtigung! Und da alle Neurospicys insgeheim und/oder offensichtlich ihre ganz eigenen Superkräfte haben, sollten wir diese Skills in der Neurodiversity Celebration Week, wie es der Name schon sagt: feiern! 🥳

#TLDR Neurodiversity Celebration Week
für Lesefaule
Die Neurodiversity Celebration Week wurde 2018 gegründet von der von der britischen Neurodiversitäts-Aktivistin Siena Castellon. Sie selbst hat gleich mehrere Diagnosen: Autismus, ADHS und Dyslexie.
Die Woche findet vom 16. bis 20. März statt und soll das Bewusstsein schüren für Menschen , die ein bisschen anders ticken. Oder ein bisschen mehr. Und Vorurteile abbauen.
Der Autorin von Auxkvisit liegt viel an Selbstermächtigung, deswegen werden wir uns hier dem Thema mit einem ordentlichen Schuss Selbstironie und Humor nähern.
Woher der nüchterne Humor kommt (also vielleicht), liest Du im Artikel. Denn so eindeutig ist das nicht zu sagen: Neurodivergenz, astrologische Basics oder die eigene Biographie?!
In diesem ersten Artikel wirst Du aufgerufen, Dich selbst gerne zu beteiligen:
Was sind Deine Superkräfte? Was waren bislang Deine lustigsten Momente? Was möchtest Du diese Woche hier gerne lesen? Gestalte die Woche hier gerne mit! 💪

Ist es nur „irgendwie anders“ oder doch schon „behindert“?
Ich traue mich keine Definition mehr abzugeben, bevor mich wieder irgendjemand lyncht, der mehr oder anders oder überhaupt „richtig“ neurospicy ist.
neurodivers/neurodivergent – kurz: Menschen, die irgendwie anders ticken, können sich heute als „neurodivergent“ bezeichnen und sich ggf. diagnostizieren lassen.
Da Neurodiversität derzeit aber eben doch ein gewisser Hype ist2, in jedem Fall aber ein Buzzword, sehe ich das alles mit einer gewissen Skepsis, um nicht zu sagen: Besorgnis.
Wegen meiner Sprachliebe traue mich dennoch, die Wörter zu zerlegen:
Heute ist eh alles „divers“, was schon in der Natur der Sache liegt, weil wir alle diverse (uns voneinander unterscheidende) Individuen sind. Die einen unterscheiden sich halt mehr, die anderen weniger. Überraschung, Überraschung!
Divergente sind nun die Abweichler. Wer zu Latein „divergiert“, geht in einen anderen Weg. Gebräuchlich war das ehemals vor allem in der Mathematik, um klar zu machen, dass Linien sich voneinander entfernen – man denke nur an einen Flusslauf. Da frage ich mich jedoch einmal mehr:
Wollen wir Menschen heute nun wieder zusammen oder auseinander?
– Der obligatorische Disclaimer –
Dezidiert kranken und beeinträchtigten Menschen möchte ich keineswegs ans Bein pinkeln.
Nur denen, die sich auf Etiketten ausruhen.
Die meinen, mit einem „So bin ich halt!“ wäre der Fall erledigt. Das ist er nämlich nicht.
Wer wirklich schwere Probleme hat, der hat mein tiefstes Mitgefühl
und bekommt an dieser Stelle eine Extradosis Liebe. ♡
Mein persönliches Neurodingdong
Ich bin nicht diagnostiziert und lege keinen Wert darauf, habe aber schon unzählige Male auf den Kopf zugesagt bekommen, ich hätte offensichtlich „feinere Antennen“.
Das Wort „Hochsensibel“ fiel von einem Heilpraktiker mit der Gewissheit einer GEZ-Rechnung; der andere wiederum meinte, ihn würde meine Selbstdiagnose mehr als erstaunen: „Damit hätten Sie nicht so lange in einem Großraumbüro ausgehalten!“ (Hab ich denn?! Als mal zwei Gespräche gleichzeitig stattfanden und auch noch das Telefon klingelte, musste ich sofort aufs Klo fliehen, weil ich sonst schier durchgedreht wäre …)
Mein letzter Partner „diagnostizierte“ mir wiederholt und freundlicherweise auch ungefragt mehrmals einen Asperger. Auch wenn ich ein paar offiziell diagnostizierte Asperger kenne und überaus schätze und es ja eigentlich ein Kompliment ist, weil es mit einer gewissen Intelligenz einhergeht, fand ich das nicht so nett.
Irgendwelche Zuschreibungen sollten nie von anderen kommen, wenn sie keine Fachleute sind!
Ich selbst halte auch Hypervigilanz (Hochsensibilität nach einem Trauma) oder kTPBS (komplexes Posttraumatisches Belastungssyndrom) für mich möglich. Wenn man nur genügend lange zu einem Thema recherchiert, hat man am Ende alles. Seit dieser Erkenntnis hege ich den allerhöchsten Respekt für Differenzialdiagnostiker! ✌︎
Die Begrifflichkeiten sind mir mittlerweile egal.
Im ersten Moment kann so etwas natürlich unglaublich hilfreich und befreiend sein, wenn man sich denkt: „Gottseidank, ich bin nicht schlecht!“ Am Ende des Tages will ich aber einfach leben als die, die ich bin, und nicht irgendwie benannt werden. Das limitiert nur unnötig. Ich bin doch viel mehr als das – und in drei Monaten eh wieder eine ganz andere als heute noch!

Lasst es uns bitte mit Humor nehmen!
Wer mich jetzt als besonders kaltschnäuzig hinstellen will: Bitte. Ich schiebe es auf meinen Asperger, krchchch! Oder auf meinen Steinbock-Mond. Oder auf meine eigene Erfahrung: Denn meine Schwester sitzt im Rollstuhl und ist die coolste Socke, was – ALARM ALARM Achtung Triggerwarnung!!! – Behindertenwitze angeht. Wie die meisten anderen mit körperlicher Behinderung auch.
1999, in einer WG der Pfennigparade, Dingsbumsstraße: Meine Schwester sitzt mit ihren Mitbewohnern beim Essen. Das Radio läuft, Antenne Bayern oder Bayern Drei. Pünktlich zur vollen Stunde kommen die Nachrichten und Durchsagen: „In München staut es sich vom Mittleren Ring bis zur Dingsbumsstraße – wegen akuten massiven Behinderungen!“ Die WG hat GEBRÜLLT vor Lachen!!!!
Natürlich soll das kein Freibrief sein, ungefragt blöde Witze über irgendwie-Andere zu machen. Aber meiner Erfahrung nach wird so ein Witz in der Regel besser weggesteckt als ein traurig-betretenes Gesicht oder gar ein krampfhaftes Weggucken.
Denn das Paradoxe und eigentlich überaus Nachvollziehbare ist ja:
Die präventive übervorsorgliche Rücksichtsnahme ist oft viel mehr übergriffig als alles andere.
Daher möchte ich es hier mit ein bisschen Lässigkeit angehen! ✌︎
Denn die braucht es für meinen Geschmack, damit wir die ganzen herrlichen Neurospices mit der notwendigen natürlichen Selbstverständlichkeit in unserer aller Alltag integrieren. Auch und erst recht in der Neurodiversity Celebration Week!

Neurodiversity Celebration Week?!
Die Neurodiversity Celebration Week wurde 2018 von der britischen Neurodiversitäts-Aktivistin Siena Castellon gegründet.
Castellon wurde in Irland geboren und wuchs in London auf. Sie erhielt Diagnosen für Autismus, ADHS, Dyslexie und Dyspraxie. Eigene Erfahrungen mit Mobbing und mangelnder schulischer Unterstützung motivierten sie, Aufklärungsarbeit über Neurodiversität zu leisten.
[Zusammenfassung: KI]
Die Woche – 2026 vom 16. bis 20. März – ist dazu da, um Stereotype abzubauen. Also: Here we go! 💪
Als selbst höchstvermutlich überwiegend Hochsensible (bzw. hochsensibler Scanner oder Dingslbumsl – Oma nannte es simpel „Tausendsassa“) gehe ich diese Woche vor allem aus dieser Perspektive an: Ich möchte zeigen, wie ich Hochsensibilität normalerweise ganz geerdet leben kann. Und najaaaa … wie es mich natürlich auch mal schleudert. Wo ich merke: „O-kayyy, ich bin wohl doch irgendwie gaga in der Birne, obwohl ich mich selbst so normal fühle!“
Was ist schon normal?!
Und natürlich auch: Wie ich von meiner Vielfühligkeit profitiere. Immerhin wäre ich nicht dieselbe, hätte ich ein anderes Hirn oder eine andere Konstitution oder einen anderen Radix am Start. Oder, wie ich heute auf LinkedIn schrob: Es ist womöglich der nötige Schuss, den Kreativität nunmal braucht.

Wusstest Du von dieser Woche?
Wie gehst Du damit um?
Wenn Du lustige Geschichten hast, pack sie gerne in die Kommentare! Achte nur bitte auf den mighty aspect und die bestärkenden Vibes: Hier geht’s nicht um #mimimi. Auch wenn wir manchmal Mimimimosen sind, sind wir starke Menschen!
Also: Wie erlebst Du Deine Stärke als neurodivergenter Mensch? Worüber kannst Du heute lachen?
Bist Du auch irgendwie neurospicy? 🌶️
hinterlass Deinen kommentar!
1/ (sorry, aber „divers“ und „Neuro“ schreien für meinen Geschmack heute einfach dreieinhalb Hähne zu viel tagaus, tagein)
2/ Ableismus = Beleidigung von Menschen mit Behinderung, Behindertenfeindlichkeit