Habt Ihr es schon gemerkt? Auf dem Rathausplatz steht ein Baum.Das kann ja wohl kein anderer sein als der diesjährige Weihnachtsbaum! Anfang November mag man das noch für blinden Aktionismus halten. Und blind waren wohl auch die, die den Baum ausgesucht haben. Macht aber nix, im Gegenteil!

Gestern am Montag kam der Baum; eine Spende aus Merching. 20 Meter hoch, weil sich ein kleineres Bäumchen auf dem großen Platz gegen Rathaus und Perlachturm nur schwer behaupten könnte. Ein ziemlicher Oschi also, mal wieder. Aber diesmal ist er alles, außer gewöhnlich! Das hat man aber erst gemerkt, als er stand. Sonst hätte er es vielleicht gar nicht erst nach Augsburg geschafft.

Augsburgs Weihnachtsbaum ist 2016 außergewöhnlich

Man stelle sich die Mühe vor, so ein Riesenviech von Baum überhaupt erst mal gerade hinzustellen. Viele von uns kämpfen doch selbst jedes Jahr damit, bis der Baum endlich ohne Genickbruch sämtlicher Beteiligten stolz seine Krone Richtung Decke streckt. Ich erinnere mich, wie ich einmal den Stamm mangels Säge mit einem Brotmesser bearbeiten musste. Bei einem Weihnachtsbaum verhält es sich wie mit der menschlichen Wirbelsäule: Wenn unten schon was schepps ist, kann es oben auch nicht passen.

Aber die Spezialtransporter und Feuerwehrleute wissen ja, was sie tun, und haben bessere Geräte als Brotmesser. So stand Auxburgs Baum trotz verspäteter Anlieferung irgendwann endlich aufrecht. Es könnte sich zum Ende hin ungefähr so zugetragen haben, wobei es *Josch und *Bernd so nicht gibt. Aber vielleicht ja doch:

„Josch*, schau mal, ob der Baum auch vom Pow Wow aus gerade steht.“
„Ja, Bernd*. Das heißt jetzt zwar Heyzel Coffee, aber der Baum steht gerade!“
„Hey … was? Scheiß drauf, ich werd immer Pow Wow dazu sagen. Und vom Dean & David aus? Auch gerade?“
„Auch!“
„Und vom Rathaus aus? Von da aus muss er besonders gerade ausschauen.“

„Ja! Aber … aber … aber …“
„Aber was?“ Bernd lässt den Baum los und rennt zu Josch.
Der Baum neigt sich nun sanft in einen 3,5° Winkel und grinst frech aus seinen zwei Mündern.
Josch und Bernd hören ein holziges, zweistimmiges Kichern.

Der Baum hat nämlich zwei Köpfe!
Josch und Bernd müssen auf den Schreck was trinken. Nach einem Schnaps hat der Baum vier Köpfe. Schreiend verlassen Josch und Bernd den Rathausplatz. In der Kresslesmühle verschnaufen sie  beim nächsten Schnaps und erzählen allen, dass der Baum keine Spende, sondern aus der Hölle höchstpersönlich vom Cerberus übermittelt worden ist.

 

Gelungene #treenklusion!

Natürlich gibt es sowas immer mal wieder in der Natur: Vermeintliche „Fehler“, die nicht selten dazu führen, dass so etwas keiner haben will. Wobei sich schon immer mehr Leute für die außergewöhnlichen Knubbels erwärmen und zum Beispiel eine Gemüsekiste mit nur krummen Gemüse bestellen, wie z. B. von etepetete. Und mal Hand aufs Herz, wer von uns ist ohne Makel? Der eine hat lustige Kamel-Knie, die nächste ein Überbein und wieder ein anderer, in den ich mich sofort verlieben würde, ein bisschen Segelohren. Ohne vermeintliche Fehler wären wir fad.

Und manche haben vielleicht sogar eine Behinderung, die sie im Alltag stark beeinträchtigt. Dafür sind das dann oft die stärksten Charaktere. Und es gibt ja Hilfsmittel. So hat unser Weihnachtsbaum gleich auch erst mal eine kleine Not-OP erhalten. Der Arme – erst wird er umgebracht und dann bekommt er auch noch Schrauben in die HWS gedreht! Ich nenne ihn übrigens Karl-Heinz. Karl-Heinz ist der Weihnachtsbaum mit einem Handicap. Aber er steht. Und wie stolz er das tut!

Karl-Heinz setzt damit ein Statement: Einen hochgewachsenen, schnurgeraden Model-Baum kann ja jeder haben. Augsburg lässt den zweiköpfigen Weihnachtsbaum bitte nicht trotzdem stehen, sondern gerade deshalb! Und deswegen verdient Karl-Heinz auch den guten, alten blauen Baumschmuck von damals. Ich bin mir sicher, Karl-Heinz kichert dann wieder. Vor Glück.

 

Wer das auch so toll findet wie ich, kann gerne #treenklusion verwenden, wenn er Bilder von Karl-Heinz postet 🎄

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