Wenn Du bei Affenhitze schwimmen gehen willst, um Dich abzukühlen, dann pass jetzt gut auf! Womöglich wird es Dir gleich 200 Grad heißer. So ist es jedenfalls mir und vielen anderen am Sonntag ergangen: Denn beim Familienbad am Plärrer (Schwimmbad Augsburg #1, wenn Du mich fragst) wirst Du jetzt indirekt zur Kartenzahlung gezwungen! Was für ein Quatsch!

Ärger im Schwimmbad Augsburg:
Zur Kartenzahlung gezwungen?!
Seit dem Sommer 2026 kommst Du am bequemsten mit Kartenzahlung rein. Für Kartenzahler gibt es zwei Schlangen: Derzeit ganz links und in der Mitte. Die Bar-Zahler bekommen nur eine Schlange; sie müssen ganz rechts anstehen. Für sie gilt nur die Bezahlung am Automaten.
Beim Automaten wird gewarnt, dass der nicht immer genügend Wechselgeld haben wird.
Wenn Du den Automaten endlich passiert hast, musst Du noch durch ein Drehkreuz. Achtung mit großen Badetaschen und/oder Rucksack: Das Drehkreuz ist so klein, dass man kaum durchkommt!
Ansonsten ist das Familienbad am Plärrer wirklich schön – tolle Anlage, viele Schattenplätze, Spielplätze für die Kleinen und tolle Rutschen … Das Flair ist wie in einem Wes-Anderson-Film. Am Eintritt mit 4,50 Euro (Erwachsener, regulär) bzw. 3,80 Euro Feierabendtarif (ab 18:00 Uhr wochentags) hat sich zum Glück nichts geändert. Die neue Bezahl-Form verärgert jedoch viele: Ins Schwimmbad nimmt man halt ungern so empfindliche, gefährliche Wertsachen wie die EC-KArte mit.
⮕ Im Artikel erfährst Du, was Du tun kannst, damit du auch als Barzahler nicht jedesmal so ein Gschisdi-Gschasdi mitmachen musst.
»Ich nehm doch nicht meinen kompletten Geldbeutel mit ins Schwimmbad!«
eine empörte gästin. nicht ich. (ich hab’s mir nur gedacht …)
Der indirekte Zwang zur Kartenzahlung
Seit diesem Jahr kannst Du beim Familienbad am Plärrer nur noch am Automaten bar zahlen. Wenn Du bei einem Menschen Dein Ticket kaufen willst, dann darfst Du das nur noch mit Karte.
Wenn das kein indirekter Zwang zur Kartenzahlung ist, weiß ich auch nicht.
Auf der Website der Stadt Augsburg steht deutlich, wie sie es nun gerne hätten: »nach Möglichkeit« bitte bargeldlos (mit Bankkarte oder Sportcard).
Unbelehrbare Oldschool-Boomer oder Xennials wie ich, die bar bezahlen wollen, können das nur noch an einem Automaten. Also: Wir können es zumindest versuchen, denn es wird auf der Website schon explizit darauf hingewiesen, wenn nicht sogar gewarnt, dass das Ding nur begrenzt Wechselgeld hat. Was passiert, wenn man zu spät kommt an einem Tag und einen Fuffi im Automaten versenkt? Ja, dann nimm doch lieber gleich die Karte mit!!!!1111!!!
Ich aufgeregtes Etwas überspitze natürlich. Warum mich das so aufregt – gleich mehr dazu. Das eine hat mich körperlich angegriffen, das andere in meiner Vorstellung vom Guten und Rechten.
Auf der Seite der Stadt Augsburg steht es natürlich ein bisschen nüchterner, wenngleich nicht weniger tragisch:

Digital? Uns doch egal!
Ist das nicht scheinheilig – oder einfach nur dumm?! Jetzt versuchen sie es schon mit der Digitalisierung und bekommen es noch nicht mal gebacken! Warum startet man die Digitalisierung, wenn das System noch nicht zuverlässig funktioniert? Hätte man mit dem Scheiß nicht noch eine Saison warten können – oder gerne auch für immer?
Mit Karte ins Schwimmbad … 🙄
Warum Kartenzahlung?? Warum?? Jeder vernünftige Mensch nimmt nur das Allernötigste mit ins Schwimmbad. Badeklamotten, vielleicht zwei Sätze zum Wechseln; Liegetuch; Handtuch; Trinken; eine Banane oder Apfel oder ein paar Nüsschen; Sonnenhut, Sonnenbrille oder Käppi; fünf Bücher.
Ein paar Euro reichen normalwerweise für Eintritt und Eis. (OK, wenn Du heute ein Eis kaufen willst, pack mal lieber ein paar Scheine ein!)
Und jetzt sollen wir unseren kompletten Geldbeutel mitschleppen? Mit den ganzen empfindlichen Daten wie EC-Karte, Ausweis, Krankenversicherung und allen anderen Karten. (»Ja, dann nimm doch die Karte allein mit! 🙄« – »Ja, dann verlier ich das glitschige kleine Etwas aber in fünf Sekunden! 🙄«)
Natürlich gibt es im Schwimmbad Augsburg wie in jedem anderen auch Schließfächer. Klar! Aber noch natürlicher sind die im Hochsommer schnell komplett belegt.
Es ist nie sicher, dass Du Deine Wertsachen sicher wegschließen kannst.
Stell Dir vor, Du gehst ins Schwimmbad, um Schwimmen zu wollen – und dann geht das nicht, weil Du Deinen Platz nicht verlassen kannst. 4,50 Euro dafür gezahlt, dass Du dann nur dumm herumliegen kannst. Oder Du holst Dir eine Nackenzerrung XXL, weil Du beim Schwinden ständig seine Tasche mit den Wertsachen schaust, die irgendwo am Rand steht.
Ich weiß ja nicht, wie es Dir geht: Aber ich will meine EC-Karte niemals, nie im Schwimmbad mit dabei haben!! Nicht, weil ich vermute, dass das nur Gauner herumlaufen. Tatsächlich habe ich persönlich noch nie etwas Negatives im Plärrerbad erlebt. Security steht vielleicht mal rum und redet Leuten ins Gewissen – wieso, weiß ich nicht.
Ich möchte einfach nicht den Verlust meiner EC-Karte unnötig riskieren: Wenn ich ausgehe und nur ein kleines Abendtäschchen habe, lasse ich sie schon oft daheim. Wenn ich spazierengehe. Oder eben, wenn ich einfach meine Bahnen ziehen will!
Also Automaten-Mensch degradiert
Besonders ironisch ist doch Folgendes: Sture Bar-Zahler wie ich sind in der Regel Menschen, die Wert auf alte Werte legen. Eben echtes Geld und echter menschlicher Kontakt: »Hallo, einmal Erwachsener, bitte! Vielen Dank, schönen Abend Ihnen auch noch.«
Das Privileg, mit einem echten Menschen zu interagieren, hast Du jetzt nur noch, wenn Du mit Karte zahlst. Es ist schon irre, weil sich das genau diametral zu den Schnellkassen bei DM, Aldi und Co verhält.
OK, derzeit haben noch alle das Privileg, mit einem echten Menschen zu interagieren, weil am Sonntag extra eine dafür abberufene Frau bereit stand. Das war auch mehr als nötig, weil beim Anstehen keine Sau kapiert, wo sie hingehört: 1, 2, oder 3? Ob Du richtig stehst, siehst Du, wenn das Drehkreuz aufgeht!
Ausgeschildert ist da ja (noch) nichts. Mir hat die Dame für ihren Scheiß-Job echt leid getan: Zum einen steht sie da den ganzen Tag in der brüllenden Sonne; zum anderen bekommt sie alle zwei Naselang den Unmut der Leute ab. Denn natürlich haben wir gemotzt. Wir wollen einfach rein, schwimmen. Und uns nicht sagen lassen, welche verdammte Bezahlform die angeblich bessere ist.
On top: Diskriminierung von Maulwürfen!!!
Zudem muss sich die arme Frau mit dummen Leuten wie mir rumschlagen: Ich habe den Automaten nämlich nicht sofort kapiert.
Grundsätzlich bin ich dazu in der Lage. Hallo, logo, klar! Aber dafür muss ich alles lesen können. Und das kann ich im Sommer nicht, weil meine Sonnenbrille polarisierte Gläser hat. Polarisierte Gläser sind super, weil sie nicht spiegeln. Sie sind aber auch scheiße, weil man mit ihnen die meisten Displays nicht lesen kann. Ohne kann ich das Display nicht lesen, weil mir dann die Sehstärke meiner Sonnenbrille fehlt. 🙃♻️
Brillenwechsel? Klar, kann ich machen: Wenn ich meine andere Brille dabeihabe. Aber die lasse ich normalerweise daheim, wenn ich ins Schwimmbad gehe. Hätte ich sie dabei, müsste ich sie vorm Automaten nur so ungefähr fünf Stunden aus den Untiefen meiner Badetasche herauskramen. Die Schlange hinter mir wächst schon zur Boa Constrictor!
Eigentlich sollte ich mich wegen Diskriminierung beschweren!
Und als würde das noch nicht reichen, haben sture Bargeld-Automatenzähler noch mit einem anderen Ding zu kämpfen: Dem Drehkreuz.
Ein Kreuz mit dem Kreuz
Wenn Du also endlich Dein Papier-Ticket als Bargeld-Zahler hast, steht noch eine Hürde bevor, gegen die die Szene mit Gandolf und dem Balrog nichts ist.

Unglücklicherweise ist der Balrog hier: ich.
Während alle Karten-Zahler direkt ins Schwimmbad latschen dürfen, muss ich als blöde Bargeldzahlerin nun erstmal ein Drehkreuz passieren. Unauffällig steht das Ding da und lächelt einen so charmant an, als würde es einen zu einer Wurzelbehandlung einladen.
Das Drehkreuz ist das kleinstmögliche Standard-Modell. Gaaaanz toll für Menschen, die ins Schwimmbad mit einer Badetasche oder Rucksack wollen! Passiert ja auch nie.
Ich hatte meine Fahrrad-Tasche an der Schulter hängen und habe mich gleich komplett in dem Ding verheddert bis stranguliert. Wenn mich die Mädels hinter mir nicht sofort so tatkräftig befreit hätten, hinge ich jetzt noch darin.
Als ich endlich im Schwimmbad drin war, dachte ich mir echt schon: »Das war das Letzte Mal, dass ich heute hier war!« Ich hatte kein Bock mehr auf die Scheiße. Nie wieder!
Zweiklassengesellschaft?!
Kennst Du Gattaca? Schau den Film unbedingt an, wenn nicht! Er zeigt das Bild einer Zweiklassengesellschaft. So habe ich mich am Sonntag im Schwimmbad Augsburg auch gefühlt …
Modern, hip und gefragt ist heute alles Digitale. Das ist nunmal die Entwicklung, das muss man akzeptieren. Was aber nicht geht, ist, dass Menschen, die das Analoge bevorzugen, benachteiligt werden. »Digital ist halt immer bequemer!« stimmt, faktisch betrachtet. Aber im Schwimmbad Augsburg macht man den Einlass schon glatt mit Absicht unbequem für die Leute, die bar bezahlen wollen.
Warum legen einige Sturköpfe wie ich so viel Wert auf Bargeld?
Weil es verdammt nochmal wichtig ist!
Warum Bargeld wichtig ist
Mittlerweile zahle ich überall, wo es nur geht, bar. Zum einen will ich damit allen Banken und Geschäften dieser Welt klar machen: Ich will, dass Bargeld bleibt, und wenn hundertmal vom digitalen Euro geträumt und er im Hintergrund längst installiert wird. Wenigstens gibt die Bundesbank derzeit das Zugeständnis ab, dass er nur »ergänzend« kommen soll.1
Wenn wir wollen, dass uns das Bargeld safe erhalten bleibt, müssen wir es auch nutzen.
Die Nachfrage bestimmt das Angebot: Wenn alle Menschen aus Bequemlichkeit überwiegend mit Karte zahlen, ist der Schritt nicht weit, dass Bundesbank & Co meinen: »Ihr zahlt doch eh zu 95% mit Karte, also warum sollen wir das Bargeld weiterhin im Umlauf halten? Weg mit dem altmodischen Unsinn!«
Ein weiterer Vorteil von Barzahlung: Ich habe damit meine Ausgaben besser im Überblick. Deutlicher kann mir nichts »Upfasse!« sagen, als wenn ich einmal im Monat ein paar Hunnis abhebe, die in den Geldbeutel lege und dann sehe, wie sie nach und nach verschwinden. Aber noch wichtiger ist mir das nächste, denn das geht uns alle etwas an:
Ohne Bargeld keine Privatsphäre
Nur, wenn wir bar zahlen, bleibt uns Privatsphäre erhalten: Denn alles, was Du auf digital Weg kaufst, wird digital dokumentiert und womöglich auch archiviert. So genau weiß das ja niemand. In jedem Fall wird es im Moment des Kaufs selber irgendwo registriert. Nicht nur die Summe, sondern auch wo und was Du einkaufst. Schnell ist davon ein Profil erstellt – Deines!
All Deine digitalen Einkäufe ergeben ein aussagekräftiges Profil über Dich.
»Aber ich hab ja nix zu verbergen!«, kommt dann immer. »Ich tu ja nix Schlimmes!« Okay, Punkt an Dich. Übrigens bin ich eine von euch, immerhin lege ich allein schon in diesem Blog mehr von mir offen als die Meisten. Aber hier selektiere immer ich noch, was ich preisgebe! Es ist in meiner Kontrolle.
Noch konkreter: Wenn ich eine »Zu verschenken«-Kiste herausstelle, kann sich jeder bedienen. Wenn ich die Kiste noch in meinem Flur stehen habe, und jemand huscht unentdeckt hinein und nimmt sich was, ist es Diebstahl.
Datenklau ist immer Diebstahl!
Bei den Daten und Profilen, die über mich erfasst werden, habe ich keine Ahnung, was wer über mich weiß und was er wann wie damit machen will. Black Mirror kennst Du? Oh, und bevor einer meckert: Ich HAB die Instagram-AGBs durchgelesen. So weit, bis alles nur noch IN GROSSBUCHSTABEN KAM ÜBER MEHRERE ZEILEN. DANN IST MIR KOMISCHERWEISE DIE LUST VERGANGEN, WEIL MAN DEN SCHROTT NICHT MEHR GUT LESEN KANN. HABT IHR TOLL GEMACHT, INSTAGRAM! DESWEGEN BIN ICH BEI EUCH AUCH NUR NOCH SO WENIG.
Auch wenn Du noch so ein braver Mensch bist: Lässt Du Dir gerne beim scheißen zusehen? (OK, wenn Du mit Deinem Handy auf die Toilette gehst, machst Du das ja höchstvermutlich eh schon …)
Unsichtbare Profile über Dich?!
Sorry, dass ich so hart formuliere, aber: Auf diese intime Ebene begibst Du Dich, wenn all Deine Einkäufe, die Du mit Karte bezahlst, dokumentiert werden: Nicht nur der Preis, sondern auch das Produkt selbst. Ist Dir immer noch egal, wenn irgendwer irgendwo vielleicht weiß, dass Du heute Bio-Butter und Bio-Brot gekauft hast?
Wie ist es dann mit Daten wie:
- Wann Du menstruierst (»Aha, sie hat gerade Hygieneartikel gekauft!«)
- Wie es gerade um Dein Sexleben bestellt ist (»… und Kondome!«)
- Wie es Dir gesundheitlich geht (»Schon wieder Ibu? Was da los?«)
- Wie Du Dich ernährst (»Also, bei dem Chips, Schoki- und Bier-Konsum werden wir der Krankenkasse lieber mal was rüberfunken!«)
- Was Dich interessiert (»Oh la la, das ist aber ein wirklich _____ Buch!«)
- Zu welcher sozio-demographischen Schicht zu gehörst (»Kauft immer bio? Hat zuviel Geld – oder zumindest einen hohen Wertestandard!«)
Ist Dir das alles egal? Dann zahl ruhig weiterhin mit Karte. Auch im Schwimmbad – dann kommst du immerhin bequemer rein als die Deppen, die bar bezahlen. Aber wenn Dir dann Deine Karte doch abhanden kommen sollte … wer ist dann der Depp?
🎟️ Mein auxkvisiter Tipp für Dich
Die Ticket, die man am Automaten zieht, sind noch nicht freigestempelt. Das macht erst das Drehkreuz.
Wenn Du nicht jedesmal stundenlang am Automaten anstehen willst, rate ich Dir: Fahr zu einer unspektakulären Zeit zum Familienbad am Plärrer, wenn keiner ansteht, und lass Dir gleich mehrere Tickets raus. Mit maximal Fünf-Euro-Scheinen – damit der Verlust nicht so hoch ist, sollte der Automat kein Wechselgeld mehr ausspucken. You never know!
Grundsätzlich ist das Schwimmbad ja echt so schön, dass ich keinesfalls von dem Plärrerbad an sich abraten möchte. Ich finde es nur eine Frechheit, wie man da mittlerweile als zahlender Kunde behandelt wird, nur weil man lieber bar zahlen mag.
- https://www.bundesbank.de/de/aufgaben/themen/digitaler-euro-vorteile-des-bargelds-in-die-digitale-welt-uebertragen-992422 ↩︎