Hohes Friedensfest 2016 in Augsburg

Augsburgs Friedensfest zeigt: Dezent können andere. Augsburg hat MUT!

Deswegen stehen diese Lettern nun riesengroß auf dem ehemaligen Pow Wow am Rathausplatz. 2,8 Meter sind sie hoch. Die Installation von Boris Maximowitz wirft wortwörtlich den Schatten voraus: Auf das Hohe Friedensfest, das wir am 8. August feiern. Geheime Quellen verraten: Diese Installation steht auch in München im Kreativquartier! Habt Ihr in Eurer Stadt auch MUT stehen? Aber zurück zu Auxburg:

Am 14. Juli beginnt das dreiwöchige Festprogramm zum Hohen Friedensfest. Die Festivalzentrale, der Taubenschlag am Moritzplatz, wurde bereits am Freitag eingeweiht. Wäre ich nicht auf dem Medienpreis gewesen, ich hätte mitgegurrt.

Aber was soll der Mut da, so zentral in der Stadt, was hat er da verloren? Sehr viel. Sollte jedenfalls.

 

Nur Mut!?

Wann sind wir mutig, und warum? Sind es schon diese kleine Situationen im Alltag, nach denen wir uns um 2 cm größer fühlen, weil wir eine Schnecke gerettet haben, die viel zu langsam über die stark befahrene Straße gekrochen ist? Autor und Essayist Thomas Palzer schreibt im Programmheft vom Friedensfest:

„Mut ist angewiesen auf das Individuum und darauf, dass dessen Einsatz von Gewicht ist.“

Mut fußt demnach auf einem persönlichen Prozess. „Mut handelt aus Einsicht“ im Gegensatz zur Tollkühnheit. Es sind vor allem die inneren Prozesse, die damit einhergehen.

Ich finde ja: Mut ist es vor allem, wenn ich mit meiner Aktion niemandem was beweisen will. Höchstens mir selbst.  Natürlich ist es schön, wenn andere das mitbekommen und es uns dann nachmachen. Weil sie merken, wie gut Mut tut. Und dass sie im Herzen kleine Löwen sind. Roarr.

© Astarte Posch
Mut heißt eben auch, Dinge zusammen schöner zu machen // Foto © Astarte Posch

Warum Mut gerade jetzt so wichtig ist.

Aber warum ist Mut gerade jetzt so wichtig und das Thema des diesjährigen Friedensfestes?

Er ist besonders gefragt in Zeiten, die eine Änderung in der Entwicklung der Gesellschaft markieren. Also eben genau jetzt. Bei der vielen menschenverachtenden Scheiße (tut mir leid, aber mir will kein anderes Wort dazu einfallen) verlangt es tatsächlich Mut, dennoch oder gerade deswegen positiv und hoffnungsvoll zu bleiben. Und an das Gute im Menschen zu glauben und sich dafür einzusetzen. Pessimisten oder selbst ernannte Realisten mögen das Naivität oder Dummheit nennen. Und aggressive Typen kanalisieren ihre Emotion lieber in Wut und verbünden sich mit anderen, um sich als tobender Mob scheinbar mutig gegen Andere zu verbünden. Das ist aber nicht mutig. Das ist einfach nur feig.

Mut ist für andere, nicht gegen sie.

Mut ist das Kribbeln, das uns das Feuer in die Augen treibt. Mut brauchen wir, um die eigene Komfortzone zu verlassen. Mut brauchen wir, um uns hoffnungsvoll ins Ungewisse zu stürzen. Mut zur Liebe ist der Impuls, der das Humanste und Lebendigste aus uns herauskehrt.

Lebensmut ist es, der uns pusht, wenn wir unsere Flügelchen hängen lassen möchten. Egal, womit wir in unserem Leben gerade so konfrontiert werden: Mut kann jeder brauchen. Um jemanden seine Liebe zu gestehen, die Meinung zu geigen, um die eigene Verletzbarkeit zuzugeben. Und wir haben den Mut ja auch, wenn wir still werden und in uns reinhören. Wetten?

Ansonsten locken die vielen Programm-Angebote zum hohen Friedensfest den Mut aus einem heraus.

 

Ein interkulturelles, interdiszipliniäres dreiwöchiges Programm

Eröffnung am 14. Juli: Start des Friedensfestprogramms

Den Anfang vom Friedensfest macht eine Gesprächsrunde im Goldenen Saal im Rathaus. Diskutieren werden Christine Lüders (Leiterin Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Berlin), Prof. Rotraud A. Perner, (Juristin, Psychoanalytikerin, evangelische Theologin, Wien) und Thomas Palzer (Autor, Schriftsteller, Philosoph) zum Thema „Mut haben. Mut beweisen. Mut machen.“ Moderiert von Michel Abdolahi.

 

Vorträge, Theater, Ausstellungen, Führungen, Workshop und und und …

In den drei Wochen darauf gibt es Vorträge, Ausstellungen und Führungen. Das abwechslungsreiche Programm lädt zum Mitmachen ein, inklusive Friedensrallye oder Speed Dating mit Courage. Es will für geistige Inspiration sorgen.

Es wäre ein Unding, hier alles aufzählen zu wollen. Ich würde mit dem Schreiben und Ihr mit dem Lesen nicht fertig. Schaut lieber selbst ins Programmheft – der Link zum Download kommt ganz unten.

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Theaterstück Enuma Elisch // Foto © Peter Schultze

 

Musik & Konzerte auf dem Friedensfest

Natürlich gibt es auch wieder massig musikalische, theatrale und experimentelle Formate. So zum Beispiel das Refugees Welcome@Konzerte im Fronhof am 23. Juli.

Besonders toll werden soll das Mitternachtskonzert am 5. August im Parktheater im Kurhaus Göggingen: Künstler aus unterschiedlichsten Regionen treffen aufeinander. Was sie gemein haben: Den spirituellen Background. So trifft zum Beispiel Großmeister Shafqat Ali Khan aus Lahore/Pakistan auf Karolina Cicha aus Polen. Veranstaltet vom Friedensbüro.

Sängerin KAROLINA CICH, Foto © Tomasz Kaczor
Mitternachtskonzert mit Karolina Cicha aus Polen // Foto © Tomasz Kaczor

Am bekanntesten und beliebtesten wohl, weil es einen so herrlich in andere Welten entführt, musikalisch und kulinarisch: Das Weltmusikfestival Festival der Kulturen. Und neu dieses Jahr: Der Taubenschlag am Moritzplatz.

 

Das Festival der Kulturen am 29. & 30. Juli im Annahof

Richtig schön gefeiert wird beim Festival der Kulturen. Erinnert Ihr Euch an meinen Bericht vom letzten Jahr, wie ich da unvermutet reingestolpert bin? Wird es wieder so toll? Oh, bitte! Ich habe schon einen würdigen Nachfolger für ДахаБраха vom letzten Jahr entdeckt: Mystic-Folk aus Polen von LABORATORIUM PIES´ NI.

Mit dabei: Aus Augsburg Stacia und Folkpop von Boothill Society, Oriental Pop von Sefer,  … Und es werden Alif da sein, Psychedelic aus Ägypten, Irak und Palästina. Und Desert-Rock von Bombino. Singer-Songwriter-Pop von Ala & Yasar (polnisch/türkisch/deutsch), Hiphop von Ebow, Afro-Beats aus Nigeria von Julius Orlando & the Heliocentrics, uuuund so viele mehr. Da wird für jeden Geschmack was dabei sein. Und man wird sicher neue Geschmäcker entdecken – musikalisch und kulinarisch.

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Alif bringen am 30. Juli Psychedelic aus drei Ländern nach Augsburg // Foto © TanyaTraboulsi

 

Gurr, gurr! Der Taubenschlag am Moritzplatz

Wenn Ihr Euch noch wundern solltet, was da in den letzten Tagen so vogelwild aufgebaut worden ist: In den Zelten wohnen keine Tauben – das ist die Festivalzentrale dieses Jahr. Die versteht sich als „Ideenschmiede und Probierfeld“.

Der Taubenschlag lädt explizit zum Mitmachen ein: Im Kunstlabor, an der „Mut-Mauer“ oder in der mobilen Galerie mit Frischkunst. Natürlich gibt es auch Konzerte, Workshops und geführte Meditationen und und und uuuuuund … die Bluespots bringen dort einen Ausschnitt von #killyourdreams und Theter macht auch Theater! Und das City Club Café kümmert sich um hungrige und durstige Schnäbelchen.

Also so ähnlich wie das Plan C letztes Jahr, aber diesmal mitten in der Stadt und mehr wohnzimmerig.

Dazu könnte ich einen extra Artikel schreiben. Einfacher: Guckt nach den hübschen Foldern in der Stadt oder ladet das Programmheft vom Taubenschlag am Ende des Artikels herunter. Da findet sich auch der Link zu Facebook, damit Ihr keine Veranstaltung verpasst.

Der Taubenschlag, die Friedenszentrale am Moritzplatz
© Greenfield Concept

 

Das große Finale am 8. August

Am Tag des Hohen Friedensfestes finden ökomenische Gottesdienste statt. Weil offizieller Feiertag und so. Wir in Augsburg, der Friedensstadt, haben ja die meisten Feiertage in Deutschland! Aber das wissen echte Augsburger natürlich längst.

Die Augsburger Friedenstafel wird sich auf dem Rathausplatz einfinden (11.30 bis 14.30 Uhr) und ein  Kinderfriedensfest im Botanischen Garten stattfinden (13 bis 18 Uhr, Eintritt bis 15 Jahre frei).

Und dann gibt es natürlich das große Festkonzert in der Kirche St. Anna mit Werken von Johann Sebastian Bach.

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Das Kinderfriedensfest am 8. August // Foto © Christian Menkel

 

Programmheft und weitere Infos

Hier könnt Ihr die beiden Programmhefte herunterladen. Fühlt Euch vorgewarnt: Bei dem großen Programm-Angebot wird es schwer, sich zu enscheiden 😉 Wo wollt Ihr auf jeden Fall hingehen?

Der Taubenschlag ist auch auf Facebook.

Als Veranstaltungsorte könnt Ihr Euch grundsätzlich vormerken (Auswahl):

  • Annahof
  • Architekturmuseum schwaben
  • Café Tür an Tür (Wertachstraße 29)
  • Cafe am Milchberg
  • City Club
  • Galerie Noah im Glaspalast
  • Hofgarten und Fronhof
  • Jüdisches Kulturmuseum
  • Kammgarnmoschee
  • Kulturcafé Neruda
  • Kulturhaus Abraxas
  • Kresslesmühle
  • Stadtbücherei
  • Synagoge
  • Brechtbühne und Hoffmannskeller
  • tim
  • Zeughaus
  • Zoo/Botanischer Garten

Alle hier genannten Termine mit Gewähr, keine Haftung für Buchstaben- und Zahlendreher. Schaut am besten nochmal ins Programmheft oder folgt dem Taubenschlag auf Facebook :)

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